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Eurozone: EZB-Sitzung im Fokus


03.06.21 12:03
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der Eurozone werden in den kommenden Tagen vergleichsweise weniger markbestimmende Indikatoren veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Diese würden aber zum Teil spektakulär ausfallen. Die Industrieproduktion sei während der ersten Lockdowns im Zuge der Corona-Krise (März/April 2020) massiv reduziert worden. Die seitherige Erholung der Aktivität bringe es nun mit sich, dass im April der Vergleich des Outputniveaus zum Vorjahr historisch einzigartige Steigerungsraten ausweisen werde. Von einem Zuwachs von mehr als 30% p.a. (Deutschland) bis rund 45% p.a. (Frankreich, Spanien) bis hin zu 70% p.a. (Italien) dürfe man sich aber nicht täuschen lassen. In all den angeführten Ländern werde das Produktionslevel im April 2021 noch immer rund 2 bis 4% unter dem Niveau von Januar 2020 liegen.

Weiterhin erwähnenswert seien Konjunkturumfragen. Die Einkaufsmanagerindices für den Dienstleistungsbereich würden in Spanien und Italien nach allgemeiner Erwartung einen starken Anstieg verbuchen (Rücknahmen von Geschäftseinschränkungen). Bei den ZEW-Umfragen für Deutschland und die Eurozone sollte nach Auffassung der Analysten der Umfragewert für die Einschätzung der aktuellen Lage einen starken Sprung nach oben machen. Die Beurteilung der Zukunftserwartungen sollte sich auf einem hohen Niveau konsolidieren.

Das Highlight aus europäischer Sicht sei in der kommenden Woche die EZB-Sitzung. Die Notenbank werde turnusgemäß neue Wirtschaftsprognosen veröffentlichen. Die Analysten würden Aufwärtsbedarf bei der Inflationsschätzung für 2021 (1,5%) und 2022 (1,2%) sehen. Allerdings werde wohl die Teuerung im Schnitt weiterhin unter dem Inflationsziel prognostiziert und nach einem starken Anstieg über die 2%-Marke im Verlauf dieses Jahres ein klarer Rückfall im kommenden Jahr erwartet werden. In Summe dürfte sich Präsidentin Lagarde zuversichtlich(er) zum Wirtschafsverlauf äußern und die temporäre Natur des Inflationsschubs betonen. Dabei dürfe nicht übersehen werden, dass sich die Eurozone zu Jahresbeginn noch in einer Rezession befunden habe, der gesamtwirtschaftliche Output noch weit unter dem Vorkrisenniveau liege und die Konsumentenpreise ex Energie im Mai lediglich um 0,9% p.a. zugelegt hätten.

Somit sei klar, dass es die EZB nicht eilig haben werde, den aktuellen geldpolitischen Stimulus zurückzufahren. Dies sei auch der Grundton der Wortmeldungen im Vorfeld der Sitzung gewesen. Ein Einstieg in ein graduelles Ausgleiten der Anleihekäufe im Rahmen des PEPP (Beginn Tapering) sei daher auszuschließen. Dennoch könnten aus saisonalen Gründen die Netto-Käufe - so wie in früheren Zeiten - in den Sommermonaten (vor allem im August werde signifikant weniger emittiert) etwas reduziert werden. Der Notenbank werde es aber wichtig sein klarzustellen, dass damit keine Reduktion ihrer Einwirkung einhergehen solle und die Käufe bei negativen Marktreaktionen (Rendite- oder Spreadanstiegen) entsprechend angepasst würden.

Eine weiter in die Zukunft reichende Guidance zum PEPP (Andeutungen zur Mindestlaufzeit von aktuell März 2022 oder zum Gesamtvolumen von aktuell EUR 1850 Mrd.) würden die Analysten in der anstehenden Sitzung nicht erwarten. Die EZB werde diese Themen wohl frühestens im September aufgreifen und nach Meinung der Analysten erst im Dezember beschließen. Ein relativ abruptes Ende des PEPP im März 2022 und noch weit bevor der US FED ihre Anleihekäufe einstelle, würden die Analysten für sehr unwahrscheinlich halten. (Ausgabe vom 02.06.2021) (03.06.2021/alc/a/a)