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Eurozone: Aufwärtstrend bei deutschen Anleiherenditen erst ab Herbst erwartet


02.07.18 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Diese Woche werden mit den endgültigen Einkaufsmanagerindices (PMI) die letzten relevanten Konjunkturfrühindikatoren für den Monat Juni veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Schnellschätzung für Deutschland, Frankreich und die Eurozone liege bereits vor und somit seien vor allem die Erhebungen für Italien und Spanien interessant. Der PMI für das Verarbeitende Gewerbe dürfte in beiden Ländern zugelegt haben, für den Dienstleistungsbereich würden die Analysten in Spanien einen Rückgang erwarten. Die Arbeitslosenquote für die Eurozone sollte im Mai unverändert bei 8,5% gelegen haben.

Weiterhin von Interesse seien Industriedaten aus Deutschland und Spanien. Im April sei die Produktionsleistung in vielen Ländern der Eurozone überraschend schwach ausgefallen. Es werde also spannend, ob es sich dabei um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt habe, der mit einem Rebound wieder wettgemacht werde, oder eine allgemeine Abkühlung der Aktivität, die dann wohl auch im BIP für Q2 ablesbar sein dürfte.

Am Staatsanleihemarkt hätten die Wirtschaftsdaten in der abgelaufenen Woche für wenig Bewegung bei den Renditen für deutsche Staatsanleihen gesorgt. Dies dürfte jedoch nicht einer mangelnden Relevanz geschuldet sein, vielmehr könnten die Ergebnisse sehr unterschiedlich beurteilt werden. Zum ersten habe laut Schnellschätzung die Inflation in der Eurozone im Juni 2,0% p.a. betragen, was eigentlich die Fantasie für eine straffere Geldpolitik beleben und Anleiherenditen steigen lassen sollte. Allerdings habe sich die Kernrate um 0,1 Prozentpunkte reduziert und lasse mit 1,0% p.a. noch immer nicht auf ein nachhaltiges Anziehen des allgemeinen Preisdrucks schließen.

Zum zweiten seien einige aussagekräftige Konjunkturumfragen besser als erwartet ausgefallen. Doch der Rückgang beim deutschen ifo Index und EU-Wirtschaftsvertrauen - wenn auch geringer als befürchtet - werde Konjunktursorgen nicht ausräumen. Die Analysten würden erwarten, dass auch in den kommenden Monaten die Wirtschaftszahlen ambivalent ausfallen würden. Somit würden nach Einschätzung der Analysten die Renditen für deutsche Staatsanleihen zunächst in einer Seitwärtsrange handeln, für Zehnjährige würden die Analysten diese zwischen 0,2% und 0,5% ansetzen. Erst ab Herbst dürften der von den Analysten erwartete Anstieg der Kerninflation und sich verbessernde Konjunkturumfragen für einen Aufwärtstrend bei deutschen Anleiherenditen sorgen. (Ausgabe vom 29.06.2018) (02.07.2018/alc/a/a)