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Eurozone: Anleihen aus den Peripherieländern im Mai gefragt


09.06.17 11:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das marktbeherrschende Ereignis im Mai war zunächst die Präsidentschaftswahl in Frankreich, so die Experten von Union Investment.

Emmanuel Macron habe die Stichwahl gegen Marine Le Pen deutlicher gewonnen als zuvor angenommen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass Macron einen klaren Wahlkampf für Europa und für Reformen gemacht habe. Seine geplanten Maßnahmen hätten das Potenzial, Frankreich und letztlich auch die europäische Gemeinschaft zu stärken. Hiervon gehe ein wichtiges Signal für Europa aus, gerade mit Blick auf den Ausstieg des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union.

Viele Marktteilnehmer hätten daher erleichtert auf den Wahlausgang reagiert. Die Folge sei eine wieder höhere Risikobereitschaft der Anleger gewesen. In diesem Umfeld seien vor allem Anleihen aus den Peripherieländern gefragt gewesen. Papiere aus Italien, Spanien und Portugal hätten hierbei teils deutliche Kursaufschläge verzeichnet. Zehnjährige Staatsanleihen aus Italien hätten sich der Renditemarke von 2 Prozent angenähert. Zum Monatsende hin habe sich das Blatt in Italien jedoch gewendet, als mögliche Neuwahlen im September auf die Agenda gerückt seien. Diese sollten dann nach einem neuen Wahlrecht, ähnlich der deutschen Vorgehensweise durchgeführt werden. In Umfragen lägen die Sozialdemokraten und die europakritische 5-Sterne-Bewegung nah beieinander.

Vonseiten der EZB habe es keine marktbeeinflussenden Kommentare gegeben. Für Gesprächsstoff hätten allerdings deutsche Politiker gesorgt, die Bundesbank-Präsident Jens Weidmann als möglichen Nachfolger von Mario Draghi ins Spiel gebracht hätten. Die Amtszeit des Italieners ende jedoch erst 2019. Hierbei dürfte es sich wohl in erster Linie um Wahlkampfgetöse gehandelt haben. Weidmann stehe für eine eher restriktivere Geldpolitik und dürfte damit der Wunschkandidat in den Augen des deutschen Sparers und somit des Wählers sein. Er wäre den Finanzpolitikern in Lissabon oder Rom aber nur schwer zu vermitteln.

Gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index hätten europäische Staatsanleihen im Mai 0,6 Prozent hinzugewonnen. Anleihen aus den Peripherieländern hätten sich sogar um 0,9 Prozent verteuert. Die guten Konjunkturdaten würden nach vorn gerichtet eher für steigende Renditen sprechen. (Ausgabe Mai 2017) (09.06.2017/alc/a/a)