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Eurozinsen: Und sie steigen und steigen und steigen


04.05.22 08:30
Oberbank

Linz (www.anleihencheck.de) - Und sie steigen und steigen und steigen. Gemeint sind die langfristigen Zinsen im Euroraum, so Oberbank in ihrem aktuellen Tageskommentar zu den internationalen Finanzmärkten.

Der Euro-Kapitalmarkt (Bankzinssätze für eine Laufzeit ab einem Jahr) habe seit Beginn des Jahres 2022 eine bemerkenswerte Performance hingelegt und ein Ende sei nicht absehbar. So hätten z. B. die unter Banken gehandelten 10-jährigen Kapitalmarktzinsen seit Beginn des Jahrs 2022 von 0,30% auf 1,80% zugelegt (+1,50% in vier Monaten!). Aber auch die jahrelange negative Rendite für 10-jährige deutsche Bundesanleihen (sehr guter Schuldner) habe vor kurzem erstmals wieder die 1,00% Marke gestreift. Italienische 10-jährige Staatsschulden hätten zeitgleich eine Rendite von 2,90% erreicht. Was seien die Ursachen für diese Entwicklung?

Die wellenartige Coronapandemie kombiniert mit Lieferkettenproblemen habe einen nachhaltigen Preisschub in Gang gebracht, der 2022 durch den Ukrainekrieg verschärft worden sei. Notenbanken, die sich der Preisstabilität verpflichtet sehen würden, seien zum Handeln gezwungen. Eine davon sei die US-Notenbank Federal Reserve (FED), die im März einen Zinsanhebungszyklus (+0,25%) gestartet habe und heute voraussichtlich um +0,50% nachlegen werde.

Die FED gelte als die "Lokomotive" unter den Zentralbanken und ziehe mit Zinsanhebungen in den USA auch die Zinsniveaus in Europa nach oben. Da sei es unerheblich, dass die Europäische Zentralbank noch an der Seitenlinie sitze und nicht in das Spiel eingegriffen habe. Überrasche die US-Notenbank heute mit einem entschlossenen Statement, könnten die 10-jährigen Eurokapitalmarktzinsen bald an der 2,00% Hürde kratzen. Das würde den Druck auf die EZB weiter erhöhen und ein glaubwürdiges Handeln herausfordern. Ein russischer Gas- und Öllieferstopp oder ein EU-Embargo wäre ein zusätzlicher Inflationstreiber. Aus diesem Grund würden viele Marktteilnehmer auf eine erste EZB-Zinsanhebung im Sommer spekulieren. Denn stabile Preise seien das oberste Ziel der EZB. (04.05.2022/alc/a/a)