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European Safe Bonds: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit


02.02.18 13:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - European Safe Bonds (ESBies) oder Sovereign Bond Backed Securities (SBBS). Neue Wertpapiere für die Eurozone sind schon länger ein ganz heißes Thema, Stichwort Euro-Bonds, so Sintje Boie von der HSH Nordbank AG.

Doch nach den vorliegenden Vorschlägen sollten ESBies ganz anders funktionieren. Jedes Euro-Land emittiere weiterhin seine Staatsanleihen allein und hafte für diese. Ein Teil dieser Papiere werde nun als Pool für die Strukturierung der ESBies genutzt: Sie würden gebündelt und an eine private oder öffentliche Schuldenagentur ausgelagert, wobei der Kapitalschlüssel der einzelnen Euro-Staaten bei der EZB den genauen Anteil jedes Landes im Anleihenpool vorgebe. Anschließend würden sie in verschiedene Tranchen mit unterschiedlicher Seniorität unterteilt. Die werthaltigste Tranche - die Senior-Tranche - solle dabei als sichere Anlage fungieren, während die riskanteste Tranche - die Junior-Tranche oder Equity-Tranche - im Fall eines Zahlungsausfalls von Staatsanleihen die ersten Verluste zu tragen hätte.

Eine jetzt veröffentlichte Studie des EU-Systemrisikorats ESRB unter Leitung von Irlands Notenbankchef Philip Lane fache die Diskussion um solche Wertpapieren neu an. Danach könnten diese die Finanzmarktstabilität in der Eurozone verbessern und sie damit krisensicherer machen, denn einzelne Länder würden nicht mehr so stark in Form von rasant steigenden Staatsanleiherenditen unter Druck geraten. Das Volumen an sicheren Anleihen würde zunehmen. Zudem könnte die enge Beziehung zwischen Staaten und Banken gelockert werden. Derzeit würden die Banken hohe Anleihebestände des eigenen Staates halten, was sie sehr anfällig mache für seine Krisen. Aber auch strauchelnde Finanzinstitute könnten ganze Staaten mit in den Abgrund reißen. Nur durch die Aufhebung dieses Teufelskreises würde die Bankenunion in der Eurozone vollendet werden. Die Senior-Tranche würde als sichere Anlage gelten und könnte von den Banken anstelle der Staatsanleihen des eigenen Staates gehalten werden. Sie müssten diese Titel möglicherweise nicht mit Risikokapital unterlegen. Derzeit gelte dieses Privileg für alle Staatsanleihen der Eurozone. Und die Studie von Notenbankchef Lane sehe die Etablierung dieser Wertpapiere am Markt als gut möglich an.

Das klinge alles positiv. Die benannten Argumente hätten durchaus ihre Berechtigung. Dennoch würden noch viele Fragezeichen bzw. Punkte auftauchen, die kritisch zu sehen seien. Die Verbriefung der Euro-Staatsanleihen würde wie ein CDO (Collateralized Debt Obligation) funktionieren. Allerdings mache in einem CDO eine Anleihe nur einen Bruchteil aus und bringe daher bei einem Ausfall kaum Schwierigkeiten für den gesamten Pool. Bei den ESBies wäre das anders, da es ein Klumpenrisiko einzelner Länder gebe. Außerdem gebe es hohe Wechselwirkungen zwischen den Euro-Staatsanleihen, wie die Schuldenkrise gezeigt habe. Daher sei die als sicher eingestufte Senior-Tranche vielleicht gar nicht so sicher. Solche Bedenken hätten auch schon Ratingagenturen, wie zum Beispiel S&P, geäußert. Das könnte aber wiederum bedeuten, dass die Senior-Tranche kein AAA-Rating bekomme. Damit wären die Anleihen nicht den als sicher geltenden Bundesanleihen gleich gestellt.

Es müssten darüber hinaus genügend Investoren für die riskante Junior-Tranche gefunden werden. Die jetzt angedachte Aufteilung zwischen den einzelnen Tranchen sehe folgendermaßen aus: Eine Junior-Tranche von 10%, eine Mezzanine-Tranche von 20% und eine Senior-Tranche von 70%. Wenn dies nicht gelinge, funktioniere das ganze Konstrukt nicht. Gerate ein Euro-Land in eine Krise, würde zuerst die Junior-Tranche, die die ersten Zahlungsverluste auffange, unter Druck geraten. Aber auch die anderen Tranchen kämen in Schwierigkeiten und wohl auch die nicht gepoolten Staatsanleihen. Auch dann würde der Ruf nach dem ESM oder der EZB sehr laut werden. Dieses Risiko kriege man nicht wegstrukturiert. (Ausgabe vom 01.02.2018) (02.02.2018/alc/a/a)