Erweiterte Funktionen

Europäischer Fixed Income-Markt: Konstruktiver Wochenstart erwartet


06.04.21 09:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Primärmarktseitig blicken wir in Europa auf ein Rekordvolumen sowohl im ersten Quartal des Jahres als auch im Märzverlauf zurück, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Dies Rekordvolumen seien vor allem dem gestiegenen Emissionsvolumen von Staaten und Supras zu verdanken gewesen und somit den Emittenten mit durchschnittlich hohen Bonitäten. Nachdem das Emissionsvolumen des Financial-Segments in den ersten zwei Monaten deutlich zurückgeblieben sei, sei in diesem Segment vergangenen März das höchste Emissionsvolumen seit 14 Monaten erzielt worden. Wir sehen weiterhin wenig am Horizont, was gegen eine andauernd hohe Emissionstätigkeit spricht, und erwarten das Emittenten in den nächsten Wochen die weiterhin ausgezeichneten Emissionsbedingungen opportunistisch, auch für weitere Vorfinanzierungen speziell im längeren Laufzeitenbereich, nutzen, so die Analysten der RBI. Insbesondere Emissionen mit einer höheren Rendite (Nachrang, HY) dürften derzeit am Markt gesucht sein, da das Emissionsaufkommen bislang von "renditeschwachen" Emissionen geprägt gewesen sei.

Sekundärmarktseitig deute weiterhin alles auf eine Seitwärtsbewegung der Spreads hin. Derzeit befinde sich der Markt in einem sehr robusten "look through" Ansatz und dies dürfte sich nach Meinung der Analysten der RBI auch diese Woche kaum verändern. Am ehesten könnte in den nächsten Tagen nach Meinung der Analysten der RBI Angebotsseitig (Primärmarkt) ein wenig Druck auf die Spreads entstehen, wenn das Angebot die Dynamik vom ersten Quartal nochmal deutlich übertreffe.

Im Rahmen unserer Coverage berichtet die S IMMO AG an diesem Donnerstag ihr Jahresergebnis 2020, so die Analysten der RBI.

Die drei europäischen Aufsichtsbehörden (EBA, EIOPA und ESMA - ESAs) hätten ihren ersten gemeinsamen Risikobewertungsbericht für 2021 veröffentlicht. Der Finanzsektor habe sich bisher als widerstandsfähig gegenüber den Auswirkungen der COVID-19-Krise erwiesen. Obwohl die Risiken in Bezug auf Bewertung, Liquidität, Kredit und Solvenz im Jahr 2020 auf breiter Front zugenommen hätten. Im September 2020 habe sich ein nominales Kreditvolumen von EUR 587 Mrd. unter laufenden, noch nicht ausgelaufenen Moratorien für Kreditrückzahlungen, gegenüber EUR 811 Mrd. im Juni 2020 befunden. Etwa 9% der gesamten NFC-Kredite und ca. 6% der gesamten Haushaltskredite seien unter laufenden EBA-konformen Moratorien gewesen.

Im März seien ESG-Staatsanleihen im Wert von EUR 18,65 Mrd. platziert worden, wobei die nachhaltigen Anleihen eine beliebte Wahl zur Finanzierung des konjunkturellen Wiederaufbaus geworden seien. Die ESG-bezogenen Emissionen im gesamten Sektor seien weiter angestiegen, mit einem Gesamtangebot von knapp 80 Mrd. EUR im ersten Quartal des Jahres. Somit habe das europäische ESG Anleiheemissions-Volumen im ersten Quartal 2021 betragen, 10x mal soviel wie im Quartalsschnitt 2019 und immer noch über das Doppelte des Quartalsschnitt des Vorjahres.

Österreich wolle heute insgesamt EUR 1,495 Mrd. an 0,00% Feb-2031 und 0,75% Mar-2051 RAGBs aufstocken. Die Bewertungen seien in den letzten Wochen nicht nur absolut, sondern teilweise auch relativ gesehen attraktiver geworden. Die jüngste Korrektur an den Eurozonen-Anleihemärkten habe wahrscheinlich ihren Schrecken verloren und die RAGB-Renditen dürften trotz einer möglichen weiteren Ausweitung der transatlantischen Renditedifferenz gut verankert sein.

Litauen plane heute die 0,00% Mar-2028 LITHGBs aufzustocken. Das wäre die erste Aufstockung des im Feb-21 eingeführten Bonds (EUR 40 Mio. ausstehend). Der kleine LITHGB-Markt sei von der globalen Anleihenmarktkrise in Q1 nur geringfügig getroffen worden. Im Vergleich zu gleich gerateten SLOVGBs mit ähnlicher Laufzeit würden LITHGBs mit einer deutlich höheren Sekundärmarktrendite nahe Null gehandelt, während 2028 SLOVGB trotz Renditeerhöhungen von ca. 30 BP seit Anfang des Jahres immer noch nahe -0,3% notieren würden.

Obwohl für letzten Freitag geplant, hätten weder S&P noch Moody's die Ratings von Polen (A/stable) bzw. Bulgarien (Baa1/stable) kommentiert. Die Analysten der RBI hätten ohnehin keine Änderungen erwartet. Die grundsätzlich positive Ratingtendenz Bulgariens könnte sich in diesem Jahr wieder verstärken, wobei die Bildung einer stabilen Regierung Voraussetzung wäre. Letzteres scheine jedoch ein sehr holpriger Weg zu werden, da nach den Parlamentswahlen in BG vom Sonntag eine Mehrheitsbildung extrem schwierig erscheine.

Die Rezession des Vorjahres habe den Steigflug des Wohnimmobilienmarktes in Österreich nochmals befeuert. Die Luft werde dünner, weitere Höhengewinne sollten sich gemächlicher vollziehen. Ein Sinkflug zeichne sich hingegen nicht ab. Inflationssorgen könnten in diesem Jahr das 2020 dominierende Sicherheitsmotiv als maßgeblichen Preistreiber verdrängen. (06.04.2021/alc/a/a)