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Europäische und US-Aktien erhöht, US-Staatsanleihen reduziert


18.11.20 12:00
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer, Asset Management, von Edmond de Rothschild Asset Management, ist der Meinung, dass weiterhin hohe Unsicherheit die US-Politik beherrscht, da Donald Trump und die Mehrheit der Republikaner den Sieg von Joe Biden immer noch nicht anerkannt haben.

Gleiches gelte laut dem Global Chief Investment Officer von Edmond de Rothschild Asset Management in den kommenden Wochen auch bei den Erfolgsaussichten auf einen Impfstoff gegen Covid-19.

Deshalb rate er Anlegern weiterhin zur Vorsicht, obgleich der positiven Nachrichten, dass ein Impfstoff in Phase III-Studien von Pfizer eine Erfolgsquote von 90 Prozent erreicht habe. Ungeachtet einer möglichen Zulassung durch die US-amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA bis November würden noch viele wichtige Punkte in Bezug auf einen Impfstoff unbeantwortet bleiben: Es könnten unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, die Lagerung sei anspruchsvoll, da der Impfstoff bei sehr tiefen Temperaturen aufbewahrt werden müsse, und es gebe noch keinerlei Information zum Preis. Faktoren für weitere Unsicherheiten sehe er darin, inwieweit die Bevölkerung einen neuen Impfstoff akzeptieren und wie lange die Immunität anhalten werde.

Demnach wäre es verfrüht, Schlussfolgerungen über die Fähigkeit des Impfstoffs zu ziehen, den Verlauf der Pandemie zu verändern. Dennoch könnte die Ankündigung von Pfizer dazu führen, dass andere Pharmakonzerne mit ihren eigenen Impfstoffen nachziehen würden, was ein optimistischeres Szenario für 2021 zur Folge hätte.

Inmitten einer anhaltend expansiven Fiskalpolitik und einer akkommodierenden Geldpolitik würden sich die Investoren zunehmend die Idee eines "perfekten Szenarios" zu eigen machen, zumal es in den USA ein neues Konjunkturpaket geben werde. Das schiere Ausmaß der jüngsten Rally möge überraschen, da die politischen Risiken in den USA und die Ungewissheit rund um den Impfstoff nicht verschwunden seien. "Wir sollten nicht vergessen, dass die weiter bestehende Wahlunsicherheit und ein rasches Wiederaufleben der Covid-Fälle in Europa und den USA dazu geführt haben, dass die Anleger Aktien etwas untergewichtet haben. Zweifellos mussten viele ihre Portfolios schnell umstellen, was zu einem sprunghaften Anstieg der Indices führte", so Melman.

Was also bleibe nach dem Ansturm? In den USA nehme ein neues Konjunkturpaket Gestalt an. Es wäre noch größer, sollten die Demokraten im Januar eine Mehrheit im Senat gewinnen. Und ein Impfstoff, der eine gewisse Kontrolle über den Verlauf der Pandemie ermögliche, würde die Wirtschaft ankurbeln. Diese Hoffnungen stünden natürlich in scharfem Kontrast zur heutigen Situation. Im laufenden Quartal würden die Volkswirtschaften aufgrund des europäischen Lockdowns und der raschen Ausbreitung neuer Covid-Fälle in den USA nachgeben: Die Volatilität könnte kurzfristig wieder auftauchen, da das Wahrnehmungs-Pendel zwischen einer rückläufigen Wirtschaft und der Hoffnung auf einen Impfstoff hin und her schwinge.

Edmond de Rothschild Asset Management habe vor diesem Hintergrund die Investitionen in europäische sowie US-amerikanische und zyklische Aktien erhöht, da gerade diese Werte ihre Vorteile aus einem Impfstoff- und dem Konjunkturpaket schöpfen würden. "Angesichts der möglichen Herausforderungen im Jahr 2021 halten wir es für wichtig, dass die Portfolios sowohl hinsichtlich Sektoren als auch Faktor-Exposure gut ausbalanciert sind. Aus diesem Grund ist unsere Allokation jetzt stärker auf zyklische Faktoren ausgerichtet. Niemand weiß, ob der Impfstoff von Pfizer die Epidemie unter Kontrolle bringen wird. Aber wir treten in eine Phase ein, in der andere Pharmaunternehmen ihre eigenen Lösungen anbieten und die Hoffnung auf ein Eindämmen der Pandemie bestehen bleiben wird", erkläre Melman. "Zudem haben wir auch die Gewichtung von US-Staatsanleihen erneut reduziert, da das Risiko mittlerweile asymmetrisch erscheint." (18.11.2020/alc/a/a)