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Europäische Zentralbank vom Preisanstieg unbeeindruckt


01.11.21 10:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigte sich auf ihrer Sitzung am Donnerstag von den jüngsten Inflationsdaten unbeeindruckt und setzt ihre Geldpolitik zunächst unverändert fort, so die Experten von Union Investment.

Den zuletzt vorherrschenden Erwartungen am Markt, die auf eine erste Zinserhöhung bereits 2022 abgezielt hätten, sei eine klare Absage erteilt worden. Auf der kommenden Dezember-Sitzung könnte die eine oder andere Weichenstellung eingeschlagen werden, zunächst bleibe geldpolitisch aber alles wie gehabt.

An den Kern-Staatsanleihemärkten hätten sowohl die US- als auch die bundesdeutsche Zinskurve etwas flacher tendiert. In der Euro-Peripherie hätten die Renditen leicht angezogen. An den Aktienbörsen hätten mehrheitlich positive Vorzeichen das Handelsgeschehen bestimmt - mit Ausnahme von China.

"Inflation, Inflation, Inflation" sei EZB-Präsidentin Lagarde zufolge der thematische Schwerpunkt der Sitzung vom Donnerstag gewesen. Wer ein geldpolitisches Gegensteuern der EZB erwartet habe, habe sich aber enttäuscht gesehen. Der Rat sei bei seiner Haltung geblieben, die den aktuellen, vor allem durch die Energiekosten verursachten, markanten Anstieg der Preisdaten als vorübergehendes Phänomen betrachte. Die EZB habe grundsätzlich daran festgehalten, dass sie für den Inflationsausblick Aufwärts- wie Abwärtsrisiken sehe, habe ihre Einschätzung aber doch etwas angepasst. Lohnwachstum und Inflationserwartungen seien die Faktoren, die aus einem vorübergehenden Inflationsschub einen nachhaltigeren Preisdruck verursachen könnten. Dennoch müssten mehrere bereits im Juli verkündete Faktoren hinsichtlich der Preisentwicklung erfüllt sein, um ein Gegensteuern zu rechtfertigen. Hierbei spiele vor allem die Langfristbetrachtung eine maßgebliche Rolle, und diese gelte derzeit bei weitem nicht als erfüllt. Letztlich hat sich die EZB am Donnerstag dazu bekannt, dass die Zinsen noch lange Zeit, wir denken womöglich bis 2025, auf dem aktuellen Niveau bleiben werden, so die Experten von Union Investment.

Nun komme dem Dezember-Treffen der EZB eine höhere Bedeutung zu. Das PEPP-Anleiheankaufprogramm werde auslaufen. Viele Fragezeichen würden sich derzeit bei den Marktteilnehmern hinsichtlich der Forward Guidance, also der weiteren Marschrichtung der EZB ergeben.

Angesichts des im Euroraum deutlich verhalteneren Preisdrucks und der geringeren Inflationserwartungen dürfte sich die EZB nach Meinung der Experten im Vergleich zur Bank von England sowie zur US-Notenbank FED aber nur sehr langsam bewegen. (Ausgabe vom 29.10.2021) (01.11.2021/alc/a/a)