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Europäische Zentralbank verfolgt Euro-Stärke


11.09.20 12:15
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Gestern überraschten die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA negativ und stärkten den Euro, da sie nicht wie erwartet geringer ausfielen als in der Vorwoche, so die Analysten von Postbank Research.

In Europa hingegen habe die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), auf ihrer gestrigen Sitzung keine geldpolitischen Änderungen vorzunehmen, den Erwartungen entsprochen. Dass sich EZB-Präsidentin Lagarde auf der anschließenden Pressekonferenz nicht besorgt gezeigt habe über die aktuelle Euro-Stärke sowie den Rückgang der Inflationsrate auf minus 0,2 Prozent im August, den ersten negativen Wert seit vier Jahren, habe dem Euro weiteren Rückenwind gegeben. Allerdings habe Lagarde betont, dass die EZB die Euro-Stärke aufmerksam verfolge und notfalls alle geldpolitischen Instrumente nutzen könne. Dabei werde am Markt eine Absenkung des Einlagezinssatzes auf minus 0,6 Prozent bis Ende 2021 aktuell mit rund 90 Prozent eingepreist. Derzeit würden die Kosten der negativen Einlagezinsen für Europas Bankensektor in Höhe von jährlich 10,6 Milliarden Euro durch die Entlastung in Höhe von 15,2 Milliarden Euro über günstige TLTRO-Kredite der EZB aufgewogen.

Die Deutsche Bank gehe daher davon aus, dass eine erneute Zinssenkung nur mit einer gleichzeitigen weiteren Entlastung der Banken erfolgen werde. Dies könnte beispielsweise durch eine großzügigere Ausgestaltung der TLTRO-Kredite oder der Einlagenzinsstaffelung erreicht werden. (11.09.2020/alc/a/a)