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Europäische Zentralbank bleibt expansiv - Politische Unsicherheit in Amerika


19.06.17 12:00
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Amerika steht weiterhin im Spannungsfeld zwischen soliden Wirtschaftsdaten und politischer Unsicherheit, so Sören Wiedau, CEFA bei der Weberbank.

Die mit Spannung erwartete Anhörung des von US-Präsident Donald Trump entlassenen früheren FBI-Chefs James Comey habe keine neuen Erkenntnisse gebracht. Comey habe den US-Präsidenten öffentlich der Lüge bezichtigt, doch für ein Amtsenthebungsverfahren wegen Justizbehinderung dürften seine Aussagen wohl nicht ausreichen. Trotzdem werde der Druck auf den US-Präsidenten weiter anhalten. So hätten erst kürzlich zwei Generalstaatsanwälte gegen den US-Präsidenten Klage wegen Korruption eingereicht. Angeblich sollten ausländische Zahlungen an Trumps Unternehmensgruppe erfolgt sein, die gegen die US-Verfassung verstoßen würden. Auch der mögliche Einfluss Russlands auf den Wahlkampf im vergangenen Jahr könnte wieder für Aufregung sorgen. Vor diesem Hintergrund sei es fraglich, ob Trump seine angekündigten "massiven" Steuersenkungen und die Auflegung von Infrastrukturprogrammen zeitnah umsetzen könne.

Abgesehen von diesen politischen Ereignissen sehen die Analysten der Weberbank die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft aber auf einem gesunden Pfad. Vor allem die gute Lage am Arbeitsmarkt sollte den privaten Konsum stützen und sich positiv auf die Wirtschaft auswirken. Die wirtschaftliche Erholung habe die US-Notenbank zum Anlass genommen, die Zinsen um 0,25% anzuheben. Gleichzeitig habe sie einen weiteren Zinsschritt noch in diesem Jahr signalisiert. Damit setze die amerikanische Notenbank ihre Normalisierung der Geldpolitik behutsam fort.

In Europa sorge die politische Entwicklung in Frankreich für gute Stimmung. Die Partei des französischen Präsidenten Macron habe in der ersten Runde der Parlamentswahlen mit rund 33% der landesweiten Stimmen einen klaren Sieg erzielt. Mit großer Spannung seien auch die vorgezogenen Parlamentswahlen in Großbritannien erwartet worden. Zwar bleibe die konservative Partei von Premierministerin Theresa May die stärkste Kraft, allerdings habe sie die absolute Mehrheit und damit den gewünschten Rückhalt für ihre Politik verloren. Trotz der starken Verluste der Konservativen wolle Theresa May Premierministerin bleiben und eine neue Regierung bilden. Aus Sicht der Analysten der Weberbank dürfte es die geschwächte britische Regierung in den Brexit-Verhandlungen schwer, haben ihre harten Verhandlungspositionen aufrecht zu halten.

Die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen habe sich in den letzten Tagen seitwärts bewegt. Die EZB halte an ihrer lockeren Geldpolitik weiter fest. Bei ihrem Ausblick sei die Formulierung, dass die Zinsen bei Bedarf auf ein niedrigeres Niveau gesenkt werden könnten, gestrichen worden. Bekräftigt worden sei hingegen, dass die Leitzinsen noch für längere Zeit und weit über das Ende der Anleihekäufe hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben sollten. Zudem sehe die Notenbank nun auch die Wachstumsrisiken als ausgeglichen an. Außerdem sei die Inflationsprojektion nach unten hin angepasst worden. Angesichts der immer noch niedrigen Kerninflation in der Eurozone erwarte man, dass die EZB beim Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik vorsichtig vorgehen werde.

Der deutsche Aktienmarkt habe die politischen Ereignisse sowie den Rückgang bei den Technologiewerten bisher gut verkraften können und sogar ein neues Allzeithoch verzeichnet. Es zeige sich, dass sich die Marktteilnehmer momentan eher auf harte Fakten wie Konjunktur, Geldpolitik und Unternehmensresultate konzentrieren würden. Und hier sehe es für den deutschen als auch für den europäischen Aktienmarkt erfreulich aus. Die Konjunkturerholung in der Eurozone und die hohen Wachstumszahlen in den Schwellenländern würden die Unternehmensgewinne unterstützen und zum Teil die höheren Bewertungen rechtfertigen.

Allerdings sollten sich die Aktienmärkte nicht auf ihren Vorschusslorbeeren ausruhen. Nach wie vor herrsche politische Unsicherheit. Brexit-Verhandlungen, mögliche Neuwahlen in Italien und das unberechenbare Sorgenkind Donald Trump könnten jederzeit die Märkte beeinflussen. Auch die charttechnische Lage des DAX habe sich kurzfristig eingetrübt. Nach der starken Kursentwicklung befinde sich der DAX in einem überkauften Zustand. Investoren hätten ihre Aktienbestände weiter ausgebaut und seien insbesondere in Aktien des Euroraumes übergewichtet. Es sollte daher nicht verwundern, wenn sich die Aktienmärkte auch mal eine Verschnaufpause gönnen würden. Eine solche Konsolidierung - innerhalb des von uns präferierten langfristigen Aufwärtstrends - halten wir für eine gute Einstiegs- bzw. Nachkaufmöglichkeit, so die Analysten der Weberbank. (Ausgabe vom 16.06.2017) (19.06.2017/alc/a/a)