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Europäische Staatsanleihen kaum verändert - US-Steuerpläne drücken Treasuries


02.10.17 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der teils mit Überraschungen versehene Wahlausgang zum deutschen Bundestag vermochte die Rentenmärkte kaum zu bewegen, so die Experten von Union Investment.

Angesichts sich wahrscheinlich länger hinziehender Koalitionsverhandlungen sei das Thema relativ schnell abgehandelt gewesen.

Mit Blick auf die fundamentalen Daten habe in der abgelaufenen Handelswoche der deutsche ifo-Index im Blickpunkt gestanden. Die harten Wirtschaftsdaten würden derzeit ein solides Bild zeichnen, bei den vorlaufenden Stimmungsindikatoren habe es hingegen zum Wochenauftakt einen kleinen Dämpfer gegeben. Der für die deutsche Wirtschaft wichtige Frühindikator habe auf Gesamtebene um 0,7 auf 115,2 Punkte nachgegeben. Dabei seien sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäftsaussichten etwas schwächer eingeschätzt worden als noch im Monat zuvor. Der Rücksetzer sollte allerdings angesichts des hohen Niveaus, auf dem sich der Indikator bewege, und der guten Entwicklung in jüngster Vergangenheit nicht dramatisiert werden.

Die Marktentwicklung im europäischen Staatsanleihesektor habe sich in der letzten Woche ohne Tendenz in die eine oder andere Richtung gezeigt. Die deutsche Zinsstrukturkurve sei am Freitagmittag ein Abbild des Vorwochenschlusses gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen hätten nach einigen leichten Schwankungen mit 44 Basispunkten unverändert rentiert und damit weiterhin unter der am Markt viel beachteten Marke von 0,5 Prozent gelegen.

In der Peripherie seien belastende Faktoren weitestgehend außer Acht gelassen worden. Das am Sonntag anstehende Referendum in Katalonien habe in der Preisfindung bislang kaum Berücksichtigung gefunden. Spanische Zehnjahresrenditen seien sogar leicht zurückgegangen, da am letzten Freitagabend mit Spannung die Ratingüberprüfung Spaniens durch die Agentur Standard & Poor's erwartet worden sei. Die Fundamentaldaten der spanischen Wirtschaft würden sich derzeit als solide darstellen, sodass angesichts der konjunkturellen Stärke der Iberer eine Heraufstufung im Bereich des Möglichen liege.

Die kürzlich erfolgte Heraufstufung von Portugal beflügle die Fantasie der Anleger. S&P habe derzeit die Spanier (noch) mit BBB+ eingruppiert, eine Heraufstufung würde damit unmittelbar in den A-Bereich führen. Angesichts der im März erfolgten Anhebung des Ausblicks hätten einige Marktteilnehmer jedoch ihre Zweifel, dass jetzt schon ein Rating-Upgrade folgen werde, zumal weiterhin die Unsicherheit um das Unabhängigkeitsreferendum bestehe.

In Italien seien am Primärmarkt Staatspapiere platziert worden. Drei Anleihen über insgesamt 6 Milliarden Euro seien gut von den Anlegern aufgenommen worden. Der Sekundärmarkt sei nicht belastet worden.

Am US-Markt seien hingegen deutlichere Bewegungen zu beobachten gewesen. Vor dem Hintergrund der geplanten US-Steuerreform seien US-Schatzanweisungen unter Druck geraten, vor allem die Renditen im Bereich der langen Laufzeiten hätten angezogen. Zehnjahrespapiere hätten 6 Basispunkte höher rentiert (2,31 Prozent), während die Verzinsung 30-jähriger Laufzeiten um 9 Basispunkte angezogen habe. Die Zinsstrukturkurve des US-Marktes habe somit im Wochenverlauf steiler tendiert.

Das Geschehen bei den europäischen Unternehmensanleihen und an den Rentenmärkten der Schwellenländer sei weiterhin deutlich von den Primärmärkten geprägt gewesen. Die Nachfrage der Anleger sei dort hoch geblieben. (Ausgabe vom 29.09.2017) (02.10.2017/alc/a/a)