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Die Europäische Kommission erwartet Katapultstart - Wirklich ohne Inflation?


07.06.21 11:00
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Kommission erwartet in ihrem Frühjahrsgutachten ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

In der EU werde das BIP um 4,2% in 2021 und 4,4% in 2022 steigen. Die Eurozone (EA) könne mit 4,3% in diesem Jahr und 4,4% im nächsten Jahr rechnen. Alle Mitgliedsländer dürften Ende 2022 ihren Stand von vor der Krise wieder erreichen.

Hintergrund sei die Überwindung der Corona-Pandemie, die einen historisch einmaligen Schock in den Volkswirtschaften verursacht habe mit einer Rezession um 6,1% in der EU und 6,6% in der EA in 2020. Mit steigenden Impfraten und Lockerungen im Alltagsleben werde das Wachstum angetrieben vom privaten Verbrauch, den Investitionen und dem Export. Auch die Konditionen am Arbeitsmarkt würden sich langsam verbessern. Dank staatlicher Hilfen seien die Arbeitslosenquoten nicht dramatisch gestiegen, doch würden sie jetzt Zeit benötigen, um wieder zu sinken. Die Arbeitslosenquote werde von der Kommission auf 7,6% in 2021 und 7,0% in 2022 in der EU geschätzt, sowie in der EA auf 8,4% in 2021 und 7,8% in 2022.

Am bemerkenswertesten an den Schätzungen der Kommission sei die geringe Sorge vor steigenden Inflationsraten. Sie hätten sich zwar Anfang des Jahres beschleunigt wegen steigender Energiepreise und einer Reihe von vorübergehenden, technischen Faktoren (wie z.B. der Anpassung von Gütern und Leistungen im statistischen Warenkorb, der Erhöhung der Mehrwertsteuer und Klimaschutz-Maßnahmen in Deutschland). Die Kommission erwarte auch erhebliche Schwankungen der Teuerungsraten im Jahresverlauf. Doch sie befürchte keine Eigendynamik in der Entwicklung der Inflationsraten. Insgesamt würden in der EU 1,9% in 2021 und 1,5% in 2022, sowie in der EA 1,7% in 2021 und 1,3% in 2022 erwartet.

Im Monat April sei der Harmonisierte Anstieg der Konsumentenpreise um 2,0% in der EA von 0,9% im Januar gestiegen. Die Europäische Kommission gehe also von einer erneuten Beruhigung aus. Das müsse kritisch überwacht werden. Auch ein Anstieg über 3,0% sei inzwischen möglich geworden. Die "gefühlte Inflation" sei ohnehin schon höher. Einkaufsmanager und Konsumenten seien bemerkenswert optimistisch geworden.

Aus diesem Grund befürchte die Kommission auch keinen sonderlichen Anstieg der kurz- und langfristigen Zinsen. Die ultra-expansive Geldpolitik und die exorbitante Verschuldung der letzten Jahre würden die Voraussagen der Kommission nicht belasten. Das Defizit in den Staatshaushalten werde in der EU und der EA auf knapp 4% in 2022 geschätzt. Die Verschuldung der Staatshaushalte sollte in diesem Jahr in der EU 94% des BIP und im nächsten 93% erreichen. In der EA steige es auf 102% in diesem und falle auf 101% im nächsten Jahr.

Die Vorhersagen der Europäischen Kommission erscheinen insgesamt sehr optimistisch, insbesondere was die Entwicklung der Inflationsraten betrifft, so die Experten von "fairesearch". Die Erfahrungen der letzten Krise aus 2008 - Überschuldung aller Sektoren - fänden keine Resonanz. (07.06.2021/alc/a/a)