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Europäische Infrastrukturkredite zahlen sich gegenüber Unternehmensanleihen aus


08.05.18 11:30
UBS Asset Management

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Nicht nur in den Emerging Markets, auch in den Industrieländern besteht ein erheblicher Investitionsbedarf in Infrastruktur, so die Experten von UBS Asset Management.

In Europa schätze die von den G20-Staaten gegründete Organisation Global Infrastructure Hub das benötigte Kapital bis 2040 auf rund zwölf Billionen Euro. "Eine gewaltige Summe, die auch Chancen für institutionelle Investoren birgt, die einen langfristigen Anlagehorizont haben und in der aktuellen Niedrigzinsphase nach neuen Anlagemöglichkeiten mit stabilen Cashflows für ihr Fixed-Income-Portfolio suchen", sage Declan O'Brien, Senior Infrastructure Analyst bei UBS Asset Management.

2016 habe der europäische Markt für Infrastructure Debt ein Volumen von rund 142 Milliarden Euro gehabt. Nur ein kleinerer Teil davon entfalle auf börsennotierte Anleihen. Rund 100 Milliarden Euro seien privaten Finanzierungen zuzurechnen. Neue Regularien hätten in diesem Bereich zu deutlichen Veränderungen geführt und die Aufmerksamkeit von Anlegern für dieses Segment erhöht. Vor etwa zehn Jahren sei in Europa das langfristige Fremdkapital für Infrastruktur fast ausschließlich von Banken zur Verfügung gestellt worden, Kredite über 20 Jahre seien durchaus üblich gewesen. "Auch jetzt finanzieren Banken noch, doch die Kreditlaufzeiten sind deutlich kürzer. Und die Banken holen oft institutionelle Investoren mit ins Boot", erkläre O'Brien und ergänze: "Versicherer profitieren zudem von einer vorteilhaften Behandlung von Infrastrukturinvestments unter Solvency II."

Gegenüber Unternehmensanleihen - als klassischer Anlagealternative - würden Infrastrukturkredite drei wesentliche Vorteile bieten: Niedrigeres Risiko, eine höhere Risikoprämie und gute Diversifikationseigenschaften. Eine Untersuchung der Rating-Agentur Moody's zeige, dass Unternehmensanleihen (ohne Bankpapiere) mit einem BBB-Rating einen deutlich höheren erwarteten Verlust über zehn Jahre aufweisen würden, als Infrastrukturkredite mit einem BBB-Rating. O'Brien: "Aufgrund ihrer Struktur mit monopolistischen Eigenschaften und einer hohen Stabilität sind Infrastrukturkredite im Vorteil." Die hohe Stabilität zeige sich auch im robusteren Kreditprofil mit einer geringeren Anfälligkeit für Rating-Herabstufungen. Einer langfristigen Moody's-Analyse zufolge würden nach fünf Jahren noch 86 Prozent der BBB-Infrastrukturkredite und -anleihen über ihr Rating verfügen oder hätten ihre Bonität sogar verbessert. Dieser Anteil liege bei BBB-Unternehmensanleihen nur bei 62 Prozent.

Ein Vorteil sei auch bei der Rendite zu beobachten. Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen hätten sich nicht zuletzt aufgrund der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank stark verengt. Dieser Rückgang habe das Investoreninteresse für andere Segmente wie private Infrastrukturkredite geweckt und hier die Spreads ebenfalls unter Druck gesetzt. Allerdings sei die Risikoprämie für Infrastrukturkredite immer noch deutlich höher als bei BBB-Unternehmensanleihen. O'Brien begründe die bessere Rendite mit der höheren Komplexität der Investments und der höheren Illiquidität.

Das dritte Plus von Infrastrukturkrediten liege in ihrer geringen Abhängigkeit von wirtschaftlichen Entwicklungen. "Auch in einer Rezession braucht man Wasser, Elektrizität und andere Infrastruktureinrichtungen und -anlagen. Der Kauf einer Handtasche oder eines neuen Autos wird hingegen eher verschoben", argumentiere O'Brien. Infrastrukturkredite könnten daher zur Diversifikation und zur Risikoreduzierung im Portfolio beitragen.

Ein professionell gemanagtes Portfolio ermögliche es, die Chancen des Marktes optimal zu nutzen. "Es braucht ein Team von erfahrenen Strukturierungsexperten, um mit komplexeren Transaktionen möglichst gute Erträge zu erzielen", sage O'Brien. Haupttreiber für die Rendite im Infrastrukturbereich sehe er aktuell im Auffinden aussichtsreicher Projekte und ihrer optimalen Strukturierung. Besonders hohes Potenzial würden komplexe Transaktionen mittlerer Größe bieten, deren Erträge nicht nur ein einfaches Verfügbarkeitsrisiko bergen würden.

Diese Transaktionen würden auch für die Archmore Infrastructure Debt Platform II (IDP II) eine wichtige Rolle spielen. Der neue Fonds der UBS Asset Management verschaffe institutionellen Investoren den Zugang zu einem maßgeschneiderten Portfolio aus Private-Debt-Investitionen mit Investmentgrade-Status, die Infrastrukturanlagen in europäischen Ländern finanzieren würden.

"Für besonders interessant halten wir aktuell Kerneuropa. Hier schauen wir aber weniger nach den großen, von Banken strukturierten und vertriebenen Transaktionen, wo die Renditen bereits sehr niedrig sind. Wir setzen stattdessen unsere Sourcing- und Strukturierungs-Kompetenz ein und wählen gezielt Projekte aus, etwa der Kreditfinanzierung eines Ölterminals in Frankreich oder von Pflegeheimen in Belgien, mit denen wir ansprechendere Renditen erzielen können", sage O'Brien. Gute Möglichkeiten sähen die UBS-Spezialisten zudem in nordischen Ländern sowie in Südeuropa und in Irland. In Großbritannien fänden sie dagegen weniger interessante Anlagemöglichkeiten, was auch an der derzeit teuren Absicherung des Britischen Pfunds gegenüber der Fondswährung Euro liege. (08.05.2018/alc/a/a)