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Europäische Anleihen gewinnen wieder an Attraktivität


17.05.18 11:45
AB

München (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Jahren wurde nahezu jedes Mantra für die Rentenmärkte auf den Prüfstand gestellt, so Markus Peters, Senior Portfolio Manager Fixed Income, beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).

Nicht lange nach dem "Taper Tantrum" von 2013 seien die Umlaufrenditen von Staats- und Unternehmensanleihen gesunken, bis die zehnjährige deutsche Bundesanleihe auf nahe Null angelangt sei. In diesem "neuen normalen" Umfeld hätten europäische Investoren auf der Suche nach Rendite ihre festverzinslichen Allokationen bisher stärker global ausgerichtet. Das Interesse an Unternehmensanleihen aus den USA bis hin zu Schwellenländerpapieren sei deutlich gestiegen, hätten diese Anleihen doch im Vergleich zu europäischen Wertpapieren attraktiver ausgesehen. Die gestiegenen Währungsabsicherungskosten (Hedging) und eine verbesserte Position im Kreditzyklus würden nun jedoch Europa wieder in einem besseren Licht für die Anleger erscheinen lassen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihre Niedrigzinspolitik zunächst fortsetzen, während die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (FED) bereits in der Zinsanhebungsphase stecke. Dadurch seien US-Dollar-Anlagen für Euro-basierte Anleger angesichts sehr hoher Kosten für die Währungsabsicherung weniger attraktiv geworden.

So lägen die jährlichen Hedgingkosten für ein US-Dollar-denominiertes Investment in Euro-Depots bei mittlerweile etwa 2,75 Prozent. Zwar möge eine Anleiherendite in US-Dollar lukrativ wirken, doch wenn europäische Anleger das Währungsrisiko eliminieren möchten, entfalle zugleich das Gros der laufenden Rendite.

Das solle nicht heißen, dass europäische Anleger ihre globalen Allokationen komplett umkrempeln sollten. Es gebe jedoch einige bedenkenswerte Aspekte:

Erstens würden hohe Hedgingkosten das ganze Jahr über bestehen bleiben. Der Abstand bei den kurzfristigen Zinsen zwischen den USA und Europa werde bleiben. Viele Ökonomen würden erwarten, dass die FED in diesem Jahr noch dreimal die Leitzinsen erhöhe. Dennoch könne es riskant sein, US-Dollar-Anlagen nicht abzusichern, da dies zu erhöhter Volatilität im Portfolio führen könne. Zudem füge es dem Depot ein weiteres Element der Unsicherheit hinzu. Denn der US-Dollar habe sich im vergangenen Jahr ungewöhnlich verhalten und der Konjunkturausblick und die Regierungsrhetorik hätten stets für Unruhe gesorgt. Ein stärkerer Dollar sei daher keineswegs als gegeben anzusehen.

Zweitens würden nicht alle globalen Engagements plötzlich überflüssig. Das Investieren in verschiedene Sektoren und Regionen der Rentenmärkte könne erwünschte Diversifikationseffekte liefern. Ein Beispiel: Hypothekenbesicherte Papiere aus den USA würden sehr geringe Korrelationen mit herkömmlichen festverzinslichen Investments aufweisen, selbst wenn die Ertragsansprüche heruntergeschraubt werden müssten. Einige dieser Hypothekenanleihen würden variabel verzinst begeben und würden damit Schutz in Zeiten steigender Zinsen bieten.

Drittens die festverzinslichen Portfolios näher an die Heimatmärkte binden. Die hohen Absicherungskosten von US-Dollar in Euro hätten europäische Anleihen wieder vergleichsweise attraktiv gemacht. Doch die niedrigen Renditen im Investment-Grade-Bereich und das nahende Ende des Stimulierungs-Programms der EZB dürften dafür sorgen, dass der Weg zu angemessenen Renditen ohne überzogene Volatilität kein Spaziergang werde. Die Anleger müssten flexibel agieren und in einem potenziell volatilen europäischen Markt Duration reduzieren, um nicht unangenehm überrascht zu werden, wenn die EZB die Geldpolitik anziehe.

Darüber hinaus sollten die Investoren sich auch jenseits der Benchmarks umsehen und europäische Finanzanleihen in Erwägung ziehen. Insbesondere europäische Banken würden von den verbesserten Konjunkturaussichten und einer solideren Kapitalausstattung profitieren. Nachrangige Anleihen dieser Kreditinstitute seien im Vergleich mit vielen Schwellenländeranleihen und hochverzinslichen Papieren aus den USA attraktiv.

Nach vielen Jahren globaler Anlagemöglichkeiten im Rentenbereich hätten also hohe Hedgingkosten in Kombination mit einem verbesserten konjunkturellen Umfeld dafür gesorgt, dass es sich jetzt wieder lohnen könne, vor der eigenen Haustür nach Ertragschancen zu suchen. Die Experten von AB glauben, dass ein sorgsam ausgewogener Mix von europäischen Anleihen immer noch Renditen von mehr als 2,3 Prozent abwerfen kann, bei einem durchschnittlichen Investment-Grade-Rating. Im globalen Zeitalter weiterhin niedriger Zinsen sei das ein attraktives Einkommen, und noch dazu erreichbar von Anlegern, die in Euro-denominierte Anleihen bevorzugen würden. (17.05.2018/alc/a/a)