Erweiterte Funktionen

Europa wird 2022 Emissionen grüner Anleihen anführen


14.10.21 08:45
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Nach neuen Prognosen von NN Investment Partners (NN IP) wird sich das Wachstum der Neuemissionen grüner Anleihen im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 um 25% auf 500 Mrd. EUR steigern, so die Experten von NN Investment Partners.

Dabei werde Europa eine Vorreiterrolle spielen. NN IP erwarte eine enorme Dynamik in Europa. Die EU werde in den nächsten fünfeinhalb Jahren 250 Mrd. EUR emittieren, um den EU-Finanzplan der "Next Generation" zu unterstützen. Die Einführung der EU-Taxonomie, die klare grüne Kriterien für eine Reihe von Sektoren festlege, dürfte die Emissionstätigkeit ebenfalls fördern. Außerdem bestehe schließlich noch ein gewisser Nachholbedarf bei der Anleihenemission aus dem Jahr 2020. Sozial- und Nachhaltigkeitsanleihen würden 2022 jeweils 200 Mrd. EUR erreichen - das Wachstum in diesen Bereichen werde jedoch durch fehlende einheitliche Definitionen gebremst.

Im September habe der Green-Bonds-Markt den bedeutenden Meilenstein von 1 Bio. EUR an ausstehenden grünen Anleihen überschritten und auch der Markt für Sozial- und Nachhaltigkeitsanleihen sei gewachsen.

Die Emissionen grüner Anleihen dürfte von 2021 bis 2022 um 100 Mrd. EUR auf rund 500 Mrd. EUR ansteigen. Die Emissionen von Sozialanleihen dürften im gleichen Zeitraum um 25 Mrd. EUR auf 200 Mrd. EUR und die Emissionen von Nachhaltigkeitsanleihen um 55 Mrd. EUR auf 200 Mrd. EUR steigen. Das Wachstum in den beiden letztgenannten Kategorien dürfte jedoch durch das Fehlen klarer Definitionen, z. B. über die zulässige Verwendung der Erlöse, gebremst werden. Die EU-Sozialtaxonomie werde hier hilfreich sein, befinde sich aber noch im Entwurfsstadium.

Douglas Farquhar, Client Portfolio Manager Green Bond bei NN Investment Partners, gehe davon aus, dass das Wachstum des Marktes für gelabelte festverzinsliche Wertpapiere weiterhin von europäischen Emittenten und Unternehmen dominiert werde. "Es wird erwartet, dass insbesondere die EU im Mittelpunkt der Emissionen stehen wird, da 2022 grüne Anleihen im Wert von schätzungsweise 50 bis 100 Mrd. EUR auf den Markt kommen werden. Sie sollen die von der Corona-Krise schwer getroffenen europäischen Länder unterstützen. Wir erwarten auch eine starke Zunahme in den Sektoren, die bisher bei den Emissionen von grünen Anleihen hinterherhinkten, darunter Metall- und Bergbau, Öl- und Energie- sowie Chemieunternehmen."

"Angesichts zunehmendem Anlegerinteresse an ESG-orientierten Investitionen rechnen wir letztendlich damit, dass auch die USA auf dem Markt für nachhaltige Anleihen eine größere Rolle spielen werden. Zwar gibt es derzeit noch keine Anzeichen dafür, dass das US-Finanzministerium die Emissionen von grünen oder anderen gelabelten Anleihen plant, aber längerfristig könnten es dem europäischen Erfolg nacheifern."

Die physischen Risiken des Klimawandels seien 2021 durch die extremen und sich verändernden Wetterereignisse sichtbarer geworden. Gleichzeitig würden die Auswirkungen der Corona-Pandemie weiterhin wirtschaftliche Verwerfungen verursachen. Vor diesem Hintergrund sei es von entscheidender Bedeutung, dass ein größerer Anteil der Staats- und Unternehmensanleihen grüne, soziale oder Nachhaltigkeitsanleihen seien. Eine Grafik der Experten zeige den prozentualen Anteil der auf EUR lautenden Investment-Grade-Anleihen, die in den letzten acht Jahren als Impact Bonds begeben worden seien. Es zeige den raschen Anstieg auf 21 Prozent und verdeutliche den Spielraum für ein potenzielles zukünftiges Wachstum nachhaltiger Anleihen, wenn globale Investment-Grade-Anleihen das gleiche Niveau erreichen würden.

In den letzten Jahren sei eine "Label-Manie" mit einer Reihe von neuen Anleihe-Labels ausgelöst worden. Sozialanleihen hätten infolge der Corona-Pandemie drastisch zugenommen. Der Grund: Regierungen und supranationale Organisationen hätten Sozialanleihen ausgegeben, um die Konjunkturerholung zu finanzieren und die Bevölkerung in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Nachhaltigkeitsanleihen seien bei Emittenten, die eine Mischung aus Umwelt- und Sozialprojekten finanzieren wollten, populär geworden.

Der Markt für Nachhaltigkeits-, Sozial- oder Übergangsanleihen werde jedoch begrenzt sein, solange keine einheitlichen Definitionen verabschiedet seien. Insbesondere Übergangsanleihen hätten unter dem Aufkommen von nachhaltigkeitsgebundenen Anleihen gelitten. Anleger müssten noch von der Notwendigkeit eines Transition-Labels überzeugt werden, da grüne Anleihen doch eine Übergangslösung mit klar definierten Standards seien. Nachhaltigkeitsanleihen - bei denen die Emittenten ihre eigenen KPIs und Ziele in Verbindung mit der Verschuldung festlegen würden - seien wegen ihrer Struktur, der mangelnden Ausrichtung auf die wichtigsten ESG-Kennzahlen und der Höhe der Anlegerentschädigung in Form eines Aufschlags für den Fall, dass die Emittenten ihre selbst auferlegten Ziele nicht erreichen würden, in die Kritik geraten.

Zusammenfassend lasse sich sagen, dass 2022 wahrscheinlich ein weiteres ereignisreiches Jahr für die Emissionen grüner Anleihen sein werde, in dem Europa dominiere, aber auch eine Reihe neuer Sektoren auf den Markt kommen würden. Sozial- und Nachhaltigkeitsanleihen müssten genauer definiert werden, um signifikante Fortschritte zu erzielen. Dies geschehe, wenn auch langsam. Insgesamt biete der verbreiterte Markt weiterhin zusätzliche Liquidität und Diversifizierung für Anleger, die ihre Allokation in festverzinsliche Wertpapiere ganz oder teilweise durch grüne Anleihen ersetzen wollten. (14.10.2021/alc/a/a)