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Europa First - Europäische Aktien haben noch Kurspotenzial


19.06.17 13:30
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - America First - dieses Motto von Donald Trump gilt derzeit nicht, wenn es um Aktien geht. Nur wenige Monate nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten werden die Irritationen über dessen Kurs größer, die US-Wirtschaft hat zuletzt mit Wachstumszahlen enttäuscht und von den großartigen Ankündigungen Trumps im Wahlkampf ist bisher nur wenig umgesetzt. Die Trump-Rallye, die US-Börsen nach dessen Wahlsieg erfasst hatte, scheint damit zunächst einmal gestoppt.

Stattdessen fokussiert sich das Interesse wieder stärker auf Europa. Prägten lange Unsicherheit, Pessimismus und schlechte Wirtschaftsdaten das Bild vom alten Kontinent, ist mittlerweile die Zuversicht ein Stück weit zurückgekehrt. Als Trendwende kann die Wahl von Emmanuel Macron zum neuen französischen Präsidenten gelten. Mit dem Sieg über Marine Le Pen und ihre EU-kritische Haltung sind die Hoffnungen auf Reformen und eine Neubelebung der europäischen Zusammenarbeit gewachsen. Für die Wirtschaft bedeutet die Entscheidung in Frankreich stabilere Rahmenbedingungen. Auch der Brexit - ein weiterer Unsicherheitsfaktor - könnte nach dem überraschenden Wahlausgang in Großbritannien weniger hart ausfallen als zunächst gedacht.

Stimmungswende, die durch Fakten unterlegt ist


Neben diesen politischen Hoffnungszeichen sorgten zuletzt die Wirtschaftsdaten im EU- und Euro-Raum für mehr Optimismus. Für den Euro-Raum geht die EU-Kommission jetzt von 1,7 Prozent Wachstum in 2017 und 1,8 Prozent in 2018 aus, für den EU-Raum von 1,9 Prozent in beiden Jahren. Das ist zwar nicht berauschend, aber eine stetige Entwicklung, die inzwischen sogar besser ist als die jüngsten Zahlen für die USA. Da die Zeichen für die Weltwirtschaft ebenfalls nicht schlecht stehen, bewegt sich die europäische Wirtschaft in einem auch global günstigen Klima. Wichtige "Stimmungsindizes" wie der ifo-Geschäftsklimaindex zeigen deutlich aufwärts und die Gewinnprognosen für europäische Unternehmen für dieses Jahr wurden vielfach nach oben korrigiert. Das berichtet u.a. die Deutsche Bank in einem ihrer Reports zu aktuellen Markteinschätzungen.

Diese günstigen Perspektiven - einhergehend mit einem spürbaren Stimmungsumschwung - mögen erklären, warum es in den letzten Wochen zu neuen Höchstständen beim DAX kam. Der Euro Stoxx 50 - das Pendant auf europäischer Ebene - hat ebenfalls deutlich angezogen, obwohl das Niveau immer noch deutlich von "Spitzenwerten" um die Jahrtausendwende und kurz vor der Finanzkrise entfernt ist. Das weist auch darauf hin, dass trotz der jüngsten positiven Kursbewegungen durchaus noch Kurspotentiale bei europäischen Aktien bestehen.

Das Umfeld bleibt günstig


Vergleicht man das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von europäischen und US-amerikanischen Aktien, erscheinen die europäischen Titel immer noch unterbewertet. In der zweiten Maihälfte lag das durchschnittliche KGV beim US-Aktienindex S&P 500 bei 19, beim DAX bei 14. Noch deutlicher war der Unterschied bei den Indizes MSCI USA und MSCI Europe. Hier erreichte das durchschnittliche KGV bezogen auf Europa mal gerade 50 Prozent des US-Wertes, der bei 25 lag. Auch wenn sich nach den jüngsten Kurssteigerungen die Verhältnisse etwas angenähert haben, scheint bei den europäischen Titeln noch Nachholbedarf gegeben zu sein.

Die Deutsche Bank stellt denn auch in ihrem Report fest, dass sich die Perspektiven für Investitionen in europäischen Aktien deutlich verbessert haben und das Umfeld auch in den kommenden Monaten günstig bleiben dürfte. Von daher kann es sinnvoll sein, das Aktienportfolio jetzt umzuschichten und europäischen Werten ein größeres Gewicht beizumessen. Kurzzeitige Rückschläge sind nicht ausgeschlossen und könnten ein günstiger Einstiegszeitpunkt sein. Einige Unsicherheiten bleiben auch mit Blick auf Europa - die Griechenland-Sanierung ist nicht abgeschlossen, Italien bleibt ein Risiko-Kandidat und der neue französische Präsident muss seinen Reform- und Erneuerungswillen erst noch unter Beweis stellen. (19.06.2017/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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