Euro-Währungshüter dürften Wachstums- und Inflationsprognose spürbar nach unten revidieren


09.09.19 09:00
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - In der laufenden Woche dürfte die EZB einmal mehr den Expansionsgrad ihrer Geldpolitik massiv erhöhen - die Gründe sind sowohl zyklischer als auch struktureller Natur, berichten die Analysten der National-Bank AG.

Vor dem Hintergrund des Handelskonfliktes dürften die Euro-Währungshüter sowohl ihre Wachstumsprognose als auch ihre Inflationsprognose spürbar nach unten revidieren. Nachdem die zuletzt beauftragten Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vorgelegt hätten, werde die EZB daher nun ein deutliches Signal setzen wollen. Die Analysten der National-Bank AG würden davon ausgehen, dass sie den Einlagezins von -0,4% auf -0,5% senken werde.

Darüber hinaus spreche vieles dafür, dass die EZB die Einführung eines Staffelzinses ankündigen werde und schließlich dürfte die Bank zumindest perspektivisch die Nettoanleihekäufe wiederaufnehmen. Hier könnten wir uns ein monatliches Kaufvolumen um 30 Milliarden Euro auf Sicht der nächsten zwölf Monate vorstellen, wobei die Details zweitrangig sind, so die Analysten der National-Bank AG.

Zentral sei nach Erachten der Analysten, dass die Bank einmal mehr ihre geldpolitische Reaktionsfunktion ändere und systematisch expansiver werde: Es sei also nicht nur die Verschlechterung des gesamteuropäischen Datenkranzes, die eine Zunahme des Expansionsgrades bewirke - die EZB reagiere auch immer expansiver darauf. Damit entferne sie sich immer stärker vom Geist der Verträge von Maastricht. Die Analysten der National-Bank AG würden ihre Schätzungen für die Bundesanleihen und für die US-Treasuries auf Jahressicht bis auf weiteres unverändert bei - 0,3% und 1,9% belassen.

Die jüngsten Ausführungen von FED-Chef Powell würden den enormen Druck beleuchten, unter dem die US-Notenbank derzeit stehe: Selten zuvor sei die Divergenz zwischen binnenwirtschaftlicher und außenwirtschaftlicher Indikation für die US-Geldpolitik so stark ausgeprägt gewesen. So habe Powell nicht die aggressive Lockerung in Aussicht gestellt, die von der Politik gefordert und von den Märkten erwartet werde. Zwar habe der FED-Chef auf die vielen Risiken für die Weltwirtschaft und auch für die US-Wirtschaft verwiesen. Gleichwohl habe er betont, dass der Ausblick für die Inflation und das Wachstum von den Zielen der FED nicht sehr weit entfernt sei.

In der Tat liege der Kernpreistrend in den USA je nach Messkonzept zwischen 1,6% und 2,2% p.a. - und dies bei Rekordbeschäftigung. Was sollte bzw. werde die FED also tun? Sie werde sich weiter vorantasten. Vor dem Hintergrund des Rückgangs der marktimpliziten Inflationserwartungen auch in den USA würden die Analysten der National-Bank AG davon ausgehen, dass die US-Notenbank auf der kommenden Sitzung abermals die Zinssätze um 25 Basispunkte zurücknehme. Sollte sich das globale Umfeld wie derzeit weiter eintrüben, dürfte ein weiterer Senkungsschritt dann immer wahrscheinlicher werden.

Die Corporate Spreads seien - gemessen am 5-jährigen Markit-iTraxx-Europe - wie von den Analysten der National-Bank AG erwartet weiter in Richtung 40 Basispunkte gesunken. Vor dem Hintergrund der abermals expansiveren Geldpolitik und der geschilderten Verschiebung der politökonomischen Rahmenbedingungen dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen, nächste Zielgröße dürfte zunächst 40 Basispunkte sein. (Ausgabe vom 06.09.2019) (09.09.2019/alc/a/a)