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Euro-Unternehmensanleihen: Risikoaufschläge engen sich weiter ein


16.06.17 10:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Anleihen des iBoxx-Index bewegen sich weiterhin in der Nähe ihres Rekordtiefstandes der letzten zwölf Monate, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Mittlerweile lägen die Branchen Einzelhandel und Industrie mit 35,0 bzw. 38,4 Basispunkten nahezu gleichauf. Das belege einmal mehr die robuste Verfassung des Konjunkturzyklus, denn Zykliker wie "Industrie" kämen nur in Aufschwungsphasen an die Spreadregionen der Nichtzykliker heran.

Noch optimistischer als "Cash Bonds" würden sich die CDS-Spreads zeigen, die in der letzten Woche auf beiden Seiten des Atlantiks noch einmal kräftig eingelaufen seien.

Anfang der Woche habe die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD vor einer wachsenden gesellschaftlichen Spaltung gewarnt. Grund sei das Auseinanderklaffen von Einkommen, von arm und reich, das ein "beispielloses" Ausmaß angenommen habe. Es sei auf dem höchsten Stand seit 50 Jahren. Weniger prominent in den Medien sei die Tatsache, dass ähnliche Ungleichgewichte auch im Unternehmenssektor auftreten würden: Stellvertretend für amerikanische Unternehmen stelle die Ratingagentur S&P fest, dass von 2.000 "non financial corporates" (Unternehmen außerhalb des Finanzsektors) nur 25, also etwa 1 Prozent, die Hälfte der liquiden Mittel halten würden. Diese Hälfte der Liquidität beziffere die Agentur auf eine Billion USD und stelle fest, dass sich diese Summe in den letzten fünf Jahren verdoppelt habe.

Noch ein Fakt dazu: Gegen die eine Billion USD in Cash stünden bei den Top-1-Prozent-Unternehmen 750 Milliarden USD Schulden. Bei den restlichen 99 Prozent seien es dagegen 5,1 Billionen USD an Schulden.

Einkommens- und Vermögensunterschiede kämen also auch im Unternehmenssektor vor. Das sei weniger ein soziales Problem - obwohl man argumentieren könnte, dass diese Entwicklung Billiglöhne unterstütze - sondern eine Verschiebung von Finanzmacht. Immer weniger Unternehmen hätten immer mehr Möglichkeiten zu entscheiden, wo investiert werde, wie die Zukunft gestaltet werde. Damit würden sie bestimmen, sehr vereinfachend aber nicht ganz unrichtig auf den Punkt gebracht, welche Investitionen zukünftig erfolgreich sein würden - und würden diese Investitionen selbst vornehmen. Selbst erfüllende Prophezeiungen bei Investitionen: Was zu schön klinge, um wahr zu sein, sei heute bereits ein Stückchen Realität.

Übersetzt in die Spreadwelt heiße das: An die niedrigen Spreads bonitätsstarker Unternehmen werde man sich gewöhnen können. Deutlich mehr Volatilität dagegen erwarten die Analysten der HSH Nordbank AG am anderen Ende des Ratingspektrums. (Ausgabe vom 15.06.2017) (16.06.2017/alc/a/a)