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Euro-Staatsanleihemarkt: Risikoaufschläge auf erhöhtem Niveau stabilisiert


09.07.18 08:43
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen werden mit dem Sentix und ZEW Index die ersten Konjunkturfrühindikatoren für den Monat Juli veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Beide Stimmungsindikatoren würden unter Finanzmarktakteuren erhoben. Zur Schätzung seien die jüngsten beherrschenden Schlagzeilen sowie Marktentwicklungen, die Hinweise auf die Risikobereitschaft liefern würden, dienlich. Sowohl der Regierungsstreit in Deutschland als auch die US-Importzölle seien negative Einflüsse, wobei sich bei ersterem die Konfliktsituation zuletzt einstweilen entspannt habe. Am Euro Staatsanleihemarkt hätten sich Ende Juni/ Anfang Juli die Risikoaufschläge auf einem erhöhten Niveau stabilisiert. Am FX und Aktienmarkt sei bis Ende Juni eine "Risk-off" Stimmung auszumachen gewesen, in den letzten Tagen habe sich aber die Gemütslage in Teilmärkten verbessert (z.B.: CEE Währungen, Volatilitätsindices, Aktienkurse).

In Summe würden die Analysten in der Eurozone mit einem neuerlichen Rückgang des Sentix und ZEW Index rechnen, allerdings in einem weitaus geringeren Ausmaß als im Vormonat. Des Weiteren von Interesse seien die Daten zur Industrieproduktion für den Monat Mai. Nach den schwachen Ergebnissen im April sei die Sorge größer geworden, dass sich das BIP-Wachstum in Q2 weiter abgekühlt habe. In Deutschland und Spanien habe aber der Industrieoutput im Mai einen starken Rebound verbucht. Die Analysten würden auch in anderen Ländern (FR, IT, NL) eine deutliche Produktionsausweitung ansetzen, was für die gesamte Eurozone ein sattes Plus merklich über der 1%-Marke ergeben sollte. Somit erscheine für das zweite Quartal eine im Vergleich zum ersten Quartal in etwa unveränderte Wirtschaftsdynamik realistisch.

Die Renditen für deutsche Staatsanleihen hätten sich zuletzt wenig verändert gezeigt. Aktuell sei nach Auffassung der Analysten die erste Anhebung der Leitzinsen (Einlagesatz Ende 2019 rund 10 Basispunkte höher) ein wenig zu spät bzw. vom Ausmaß ein wenig zu gering gepreist. Auch das mittelfristige Inflationspricing erscheine ihnen zu optimistisch. Beispielsweise würden Inflationsswaps die Teuerung in den nächsten zwölf Monaten zwar mit realistischen 1,75% p.a. preisen, in den nächsten drei Jahren im Schnitt jedoch nur mit rund 1,5% p.a. Zuletzt würden die Analysten auch die teilweise aufgekeimten Konjunktursorgen nicht teilen. Sie würden erwarten, dass sich der Aufschwung fortsetze, wenn auch in einem moderateren Tempo als im Jahr 2017. All diesen vom Markt abweichenden Einschätzungen zum Trotz, würden sie dennoch keinen baldigen deutlichen Anstieg der deutschen Staatsanleiherenditen bzw. eine Versteilung der Renditekurve erwarten.

Die US-Regierung dürfte den Handelsstreit wohl zunächst eher eskalieren als bald gütlich beilegen. Vor diesem Hintergrund werde die EZB angesichts der politischen Risiken für die Konjunktur ihre Zinsabsichten nicht näher festlegen. Vielmehr sollte sie sich zunächst damit zufrieden geben, dass sie mit ihrer Wortwahl klar habe machen können, dass ein erster Schritt frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 erfolgen solle. Gegeben ihrer Einschätzung der Einflussfaktoren würden die Analysten zusammengefasst davon ausgehen, dass die Renditen für deutsche Staatsanleihen in den nächsten Wochen weiter in einer Seitwärtsrange handeln würden. (Ausgabe vom 06.07.2018) (09.07.2018/alc/a/a)