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Euro-Staatsanleihemarkt: Die Liquiditätssituation dürfte sich zunehmend normalisieren


11.06.18 11:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen sollten weniger Daten als die EZB-Sitzung im Vordergrund stehen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Erstens würden neue Wirtschaftsprognosen präsentiert. Die Analysten der RBI gehen davon aus, dass die Inflationsprognose für dieses und kommendes Jahr ein wenig nach oben korrigiert wird. Zweitens werde interessant, ob über die weitere Vorgehensweise bei den Anleihekäufen nach September entschieden werde. EZB-Volkswirt Praet habe zuletzt angekündigt, dass diese Sitzung ausschlaggebend für die Zukunft der Anleihekäufe sein werde. Berücksichtige man zudem seine Aussagen zur Inflationsentwicklung, so liege es nahe, dass die Anleihekäufe in absehbarer Zeit beendet würden.

Allerdings dürfte die EZB die Rücknahme der geldpolitischen Akkommodation weiterhin sehr vorsichtig gestalten. Somit könnte trotz einer prinzipiellen Einigung auf ein Auslaufen der Käufe in dieser Sitzung die konkrete Vorgehensweise erst im kommenden Meeting präsentiert werden. Abgesehen davon, wann genau die Entscheidung kommuniziert werde, dürfte das Anleihekaufprogramm im September nicht abrupt enden, sondern ab Oktober bis Jahresende allmählich auf Null zurückgefahren werden. Die Analysten der RBI denken, dass sich der Staatsanleihemarkt ausgelöst von den Aussagen von Praet in den letzten Tagen bereits auf dieses Szenario eingestellt hat und somit kein unmittelbarer Impuls für einen weiteren starken Anstieg der Rendite für deutsche Staatsanleihen droht.

Die Situation am Euro-Staatsanleihemarkt bleibe von hoher Volatilität gekennzeichnet. Nach dem dysfunktionalen Moment zu Monatsende suche der Markt weiter nach Stabilität. Die Sensitivität der Risikoprämien dem Newsflow gegenüber bleibe hoch. Viele Investoren würden in einer abwartenden Position verharren. Dies wirke sich negativ auf die Marktliquidität aus und erhöhe die Wahrscheinlichkeit weiterer erratischer Kursbewegungen. Die Analysten der RBI erwarten, dass sich die angespannte Marktlage in den kommenden Wochen nicht wesentlich lockert. In diesem Umfeld sei die Risikoprämie Italiens (10J vs. DE) weiterhin mit der größten Unsicherheit behaftet. Bis der Markt hier wieder an Robustheit gewonnen hat, bleibt unsere Prognose für die italienische Risikoprämie unter Revision, so die Analysten der RBI.

Die Liquiditätssituation am Euro-Staatsanleihemarkt insgesamt dürfte sich jedoch zunehmend normalisieren. Darauf würden auch die zuletzt sehr soliden Auktionsergebnisse am Primärmarkt hindeuten. Von dieser Verbesserung dürften insbesondere die Risikoprämien kleinerer Emittenten profitieren, deren Renditedifferenz zu Deutschland sich im aktuellen Marktumfeld deutlich ausgeweitet habe. Die Analysten der RBI führen diesen Anstieg im Wesentlichen auf erhöhte Liquiditätsprämien zurück. Sie würden daher weiterhin die Risikoprämie (10J vs. DE) Österreichs und Sloweniens zum Kauf empfehlen. Beide würden klar über ihrem fairen Wert notieren. Für Slowenien möge zwar noch etwas Unsicherheit nach der Parlamentswahl gepreist sein. Der politische Ausblick rechtfertigt aber nach Erachten der Analysten der RBI dauerhaft keinen deutlichen Abstand zum fundmental fairen Wert.

Auch in Spanien sehen die Analysten der RBI die Risikoprämie (10J vs. DE) inzwischen bei 100 BP als zu hoch an. Hier möge einerseits eine gewisse Ansteckung von Italien zugrunde liegen, andererseits möge Unsicherheit bezüglich des jüngsten Regierungswechsels eingepreist sein. Die Analysten der RBI sehen beide Faktoren als überzeichnet an. Zum einen habe die Sensitivität der Renditebewegungen Spaniens zu Italien deutlich nachgelassen, zum anderen sähen die Analysten die neue Regierung sowohl in der Katalonienfrage als auch europapolitisch konstruktiv. Selbst Neuwahlen sollten keine politische Instabilität hervorrufen. Zudem sei die fundamentale Situation Spanien deutlich besser als jene Italiens (starke Wachstumsdynamik, positiver Ratingtrend). Die Analysten der RBI empfehlen daher die Risikoprämie Spaniens (10J vs. DE) zu Kauf. (Ausgabe vom 08.06.2018) (11.06.2018/alc/a/a)