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Euro-Staatsanleihemarkt: Deutliche Aufwärtsverschiebung der Zinskurve


08.01.18 12:01
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Mit Blick auf die Datenveröffentlichungen der kommenden Tage in der Eurozone sind einerseits die Zahlen zur Industrieproduktion für den Monat November sowie andererseits Sentimentumfragen erwähnenswert, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

So stehe mit dem sentix-Index der erste Stimmungsindikator für den Monat Januar auf dem Programm, für den man keine Veränderung erwarte. Das von der EU-Kommission ermittelte Wirtschaftsvertrauen in der Eurozone habe im November zwar kein Allzeithoch, jedoch den höchsten Wert seit Oktober 2000 erreicht. Die Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate sei dabei auf sektoraler Ebene breit abgesichert und dürfte auch im Dezember angehalten haben. Allerdings überzeichne dieser Indikator derzeit die tatsächliche Konjunktur. Die deutsche Industrieproduktion sei im September und Oktober gegenüber dem entsprechenden Vormonat merklich zurückgegangen. Für den Monat November erwarten die Analysten der RBI nun eine Gegenbewegung. Die entsprechende Veröffentlichung für die gesamte Eurozone sollte laut Konsens im Vormonatsvergleich etwas stärker zulegen können, als dies im Oktober der Fall gewesen sei.

Am Euro-Staatsanleihemarkt sei seit Mitte Dezember eine deutliche Aufwärtsverschiebung der Zinskurve zu beobachten gewesen. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Benchmarkanleihe sei von 0,30% auf 0,40%, die Rendite der 2-jährigen Laufzeit von -0,70% auf -0,60% gestiegen. Die mittleren Laufzeiten hätten diesen Anstieg nur teilweise mitvollzogen, was sich in einer geringen Wölbung der Zinskurve äußere. Konkret sei die Zinskurve am kurzen Ende (2J-5J) verflacht, während sie sich am langen Ende versteilt habe (5J-10J).

Als Gründe für den Renditeanstieg könnten der gestiegene Ölpreis, Höchststände bei Konjunkturindikatoren (z.B. PMIs) und eine falkenhafte Interpretation der Aussagen der EZB-Notenbanker Coeuré und Nowotny über ein mögliches Ende der Anleihekäufe im September (nicht der Reinvestitionen, diese werden wohl bis mindestens 2019 in vollem Umfang stattfänden) angeführt werden. Jedoch sollte man beachten, dass die Renditebewegungen auf traditionell niedrigen Handelsvolumen zur Jahreswende basieren würden. In diesem Jahr sei dieser Effekt noch durch die Zurückhaltung der Marktteilnehmer im Kontext des Inkrafttretens von MiFiD II deutlich verstärkt worden. So möge ein Teil des Anstiegs auf eine gestiegene Liquiditätsprämie zurückzuführen sein. Immerhin seien im gleichen Zeitraum die am Markt gepreisten Inflationserwartungen (5J-5J Inflation Forward Swaps und Breakeven-Inflationsraten) nicht merklich angestiegen.

Alles im allem bleiben die Renditeveränderungen der letzten Wochen aber innerhalb der von uns als normal erachteten Schwankungsbreite (von 0,3% bis 0,5% für die 10-jährige Laufzeit), so die Analysten der RBI. Einen dauerhaften Ausbruch erwarte man in den kommenden ein bis vier Monaten nicht. Vielmehr gehen die Analysten der RBI von einer Stabilisierung um die aktuellen Werte aus.

Auch die Risikoprämien (Spreads) der Euroländer gegenüber der deutschen Benchmark dürften durch die angespannte Liquiditätssituation und die Aussagen zu den EZB-Anleihekäufen zuletzt beeinträchtigt worden sein. So hätten insbesondere die südlichen Euroländer einen Anstieg ihrer Spreads um etwa 10 BP verzeichnet. Aber auch hier sehen die Analysten der RBI kurzfristig wenig Potenzial für einen weiteren signifikanten Anstieg. So bleibe z.B. für portugiesische Staatsanleihen das Momentum nach der Rückgewinnung des Investment-Grade-Status weiter intakt. Politische Risiken in Spanien (Katalonien) und Italien (Neuwahlen am 4. März) sollten nur kurzfristig für Volatilität sorgen, aber nicht mehr in der Lage sein, deutliche und dauerhafte Anstiege der Risikoprämien zu verursachen. (Ausgabe vom 05.01.2018) (08.01.2018/alc/a/a)