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Euro-Rally senkt Handlungsspielraum der EZB


06.09.17 14:54
Aberdeen Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Patrick O’Donnell, Senior Investment Manager bei Aberdeen Standard Investments, kommentiert im Vorfeld der EZB-Sitzung die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB konkrete Schritte ankündigt, die Auswirkungen der derzeitige Euro-Rally und die Gesamtsituation im Euroraum:

Anleger müssten sich in dieser Woche auf eine eher langweilige Ratssitzung der Europäischen Zentralbank einstellen. Schuld daran sei der Euro, der seit April kontinuierlich steige. Erwartet werde, dass die EZB ihr Kaufprogramm reduziere. Was nicht passieren werde. Die Bank werde ihre Inflationsprognosen senken, mehr nicht.

Vielleicht werde Mario Draghi versuchen, den Anstieg des Euro verbal zu bremsen - aufhalten könne er ihn nicht. Die Märkte würden wissen, dass die EZB ihre Wertpapierkäufe nur sehr langsam drosseln werde. Vor allem dürften die Leitzinsen auch danach auf ihrem jetzigen Niveau verharren und den Euro stützen. In der Steuerung von Wechselkursen seien Wörter ein stumpfes Instrument, und Mario Draghi wisse das.

Trotzdem gebe es gute Gründe, den Euro für überteuert zu halten. Die Erwartungen an Trumps politische Agenda seien mittlerweile so niedrig, dass jeder noch so kleine Erfolg den Dollar auf Kosten des Euro stärken dürfte. Eine Aufwertung des Dollar wäre auch denkbar, wenn der Markt mit seiner Wachstumsprognose falsch liegen sollte: Bisher würden Anleger davon gehen, dass sich das schwache Wachstum der ersten sechs Monate bis ins zweite Halbjahr des kommenden Jahres fortsetzen werde.

Gleichzeitig würden sie deutlich die politischen Risiken in Europa unterschätzen. Macron möge den Vormarsch der Populisten gestoppt haben, ob er allerdings seine Reformagenda umsetzen könne, sei noch lange nicht sicher. Seine Zustimmungswerte würden indessen in Rekordgeschwindigkeit fallen.

Und Italien, das europäische Dauersorgenkind, hinke dem Rest des Kontinents weiter hinterher. In den Gesprächen um mögliche Neuwahlen gehe es vor allem um die Frage, ob die Populisten der Fünf-Sterne-Bewegung gewinnen würden - und ob Silvio Berlusconi zurückkehre. Einig seien sich hingegen alle Seiten in ihrer Abneigung gegenüber dem Euro. Das alles verheiße nichts Gutes für Italien, Europa und die gemeinsame Währung. Zu viele der italienischen Banken stünden am Abgrund, und die Wirtschaft müsse noch immer tiefgreifend reformiert werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Geboten wäre eine stabile, kluge und progressive Regierung, die sich dieser Reformen annehme. Danach sehe es allerdings im Moment nicht aus. (06.09.2017/alc/a/a)