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Erster deutscher Öko-Bond: Nachfrage fünfmal höher als das Angebot - Anleihenews


03.09.20 13:30
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Bundesregierung hat am Mittwoch ihre erste Staatsanleihe zur Refinanzierung grüner Projekte platziert, so die Experten von "FONDS professionell".

Anleger hätten sich auf das Papier gestürzt, obwohl es aus Ertragssicht ein miserables Geschäft sei.

Am gestrigen Mittwoch (2. September) sei die erste "grüne" Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland auf den Markt gekommen - und bei Anlegern auf enormes Interesse gestoßen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichte, habe das Zinspapier mit zehnjähriger Laufzeit statt der angepeilten 4 Milliarden Euro satte 6,5 Milliarden Euro erlöst. Die Emittentin, die Finanzagentur des Bundes, halte Papiere mit einem Volumen von einer halben Million Euro im Eigenbestand, der Rest sei an Investoren gegangen. Die hätten sogar für mehr als 33 Milliarden Euro zugegriffen. Die Nachfrage habe also rund fünfmal höher als das Angebot gelegen.

Das rege Interesse an der Anleihe, mit der Öko-Projekte refinanziert würden, verwundere. Aus Renditesicht lohne sie sich nämlich, wie bereits erwartet, kaum. Ihr Kupon betrage null Prozent. Die Rendite habe am Mittwochnachmittag im negativen Bereich gelegen, bei minus 0,47 Prozent, und damit noch einmal leicht unterhalb der Rendite der konventionellen zehnjährigen Bundesanleihe. Zurückzuführen sei die tiefere Rendite auf den höheren Kurs des Öko-Papiers, in dem sich die extrem hohe Nachfrage der Anleger widerspiegele.

Nicht nur Investoren, auch Marktexperten hätten die Emission mit Interesse verfolgt. Die Ratingagentur Moody's sehe in der Ausgabe des ersten deutschen Öko-Bonds einen "bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung des globalen Marktes für nachhaltige Anleihen", schreibe die FAZ. Weitere grüne Anleihen sollten schon bald folgen. Für das vierte Quartal 2020 sei ein fünfjähriger Green Bond angekündigt. Insgesamt wolle die Bundesregierung mit Öko-Anleihen im laufenden Jahr elf Milliarden Euro am Kapitalmarkt einsammeln.

Länder wie Frankreich oder die Niederlande hätten bereits vor einiger Zeit ihre ersten Green Bonds emittiert. Das Besondere an der deutschen Variante sei, dass die Bundesregierung die Papiere als Zwillingsanleihen begebe. Das heiße: Zu jeder grünen Anleihe gebe es einen Zwilling mit derselben Laufzeit. Die Finanzagentur garantiere Anlegern, die grüne Version des Papiers jederzeit zu den Konditionen ihres traditionellen Pendants umtauschen zu können. Diese Garantie, die die Liquidität der Green Bonds sicherstellen solle, komme bei Anlegern offenbar gut an. (03.09.2020/alc/a/a)