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Erste spanische Green-Bond-Emission zeigt hervorragende Qualität des Marktes


08.09.21 09:46
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - In Reaktion auf das Pariser Abkommen und die Energie- und Klimapolitik der Europäischen Union (EU) legte Spanien Anfang 2020 sein strategisches Energie- und Klima-Rahmenwerk vor, so die Experten von NN Investment Partners (NN IP).

Eines der Schlüsselelemente dieses Rahmens sei der Nationale Integrierte Energie- und Klimaplan für den Zeitraum 2021 bis 2030, der einen Fahrplan für die Dekarbonisierung enthalte. Ziel sei es, die Treibhausgasemissionen (THG) bis 2030 um 23% gegenüber 1990 zu senken und schließlich bis 2050 THG-Emissionsneutralität zu erreichen. Gestern habe das spanische Finanzministerium ein Programm für grüne Anleihen aufgelegt, das als Leitfaden dienen solle, um andere inländische öffentliche und private Einrichtungen zur Teilnahme an diesem Markt zu ermutigen.

Diese erste Emission sei über ein Konsortium finanziert worden und habe ein Volumen von 5 Mrd. EUR und eine Laufzeit von 20 Jahren. Wie Deutschland beabsichtige auch Spanien, eine grüne Zinskurve aufzubauen. Vor der Emission einer zweiten grünen Anleihe mit einer anderen Laufzeit werde das spanische Finanzministerium diese erste grüne Anleihe bis zu einem Volumen von etwa 12 bis 15 Mrd. EUR aufstocken. Damit sei sie mit den regulären nicht-grünen Staatsanleihen Spaniens vergleichbar und könne den Investoren ausreichend Liquidität bieten.

Bram Bos, Lead Portfolio Manager, Green Bonds, bei NN IP, kommentiere: "Der spanische Green-Bonds-Markt macht bereits 3% des weltweiten Marktes für grüne Anleihen aus. Diese Staatsanleihe beweist, dass Spanien auf dem richtigen Weg ist, um bis 2050 klimaneutral zu werden, wie es der spanische Plan vorsieht."

"Wir haben den spanischen Green-Bonds-Markt immer für ernstzunehmend gehalten. Die Bewertungsmethodik für Green Bonds von NN IP zeigt, dass nur 9% der von spanischen Unternehmen begebenen grünen Anleihen für ein mögliches Investment abgelehnt wurden, verglichen mit rund 24% für das globale Green-Bonds-Universum. Dies verdeutlicht die vergleichsweise hohe Qualität des spanischen Green-Bonds-Marktes."

Das spanische Rahmenwerk für grüne Anleihen umfasse sieben zulässige grüne Kategorien: Erneuerbare Energien, sauberer Verkehr, nachhaltige Wasser- und Abwasserwirtschaft, Energieeffizienz, Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen, Vermeidung und Kontrolle von Umweltverschmutzung und Kreislaufwirtschaft sowie Anpassung an den Klimawandel. Auf Basis dieser Kategorien habe das spanische Finanzministerium für den Zeitraum 2018 bis 2021 einen Betrag von 13,6 Mrd. EUR für grüne Staatsausgaben festgelegt, um diese Anleiheemission zu finanzieren.

Der spanische Nationale Energie- und Klimaplan 2021 bis 2030 sehe Energieeffizienzmaßnahmen im Transportsektor vor, um die Verlagerung des Güter- und Personenverkehrs von der Straße auf die Schiene zu unterstützen und das Eisenbahnnetz zu elektrifizieren. Spaniens neu aufgelegtes Green-Bonds-Programm sei gut aufgestellt, um diesen Umstieg zu ermöglichen und dazu beizutragen, den größten Emissionssektor des Landes in den Griff zu bekommen. Die meisten Mittel (71%) würden für saubere Verkehrsmittel und insbesondere 62% für den Eisenbahnsektor bereitgestellt.

Spaniens Rahmenwerk für grüne Anleihen konzentriere sich auf die Anpassung an den Klimawandel und die aus dem nationalen Plan zur Anpassung an den Klimawandel abgeleiteten Projekte. Neben der Kategorie Anpassung an den Klimawandel habe Spanien auch Komponenten in die Kategorien Wasser, biologische Vielfalt und Umweltverschmutzung aufgenommen. Das Programm zur Schadensbehebung nach Waldbränden diene der Finanzierung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen von großen Waldbränden. In den letzten 20 Jahren habe es in Spanien durchschnittlich sechs große Waldbrände pro Jahr gegeben. Dieses Programm trage dazu bei, die Erosion zu verringern und die natürliche Erholung der Waldvegetation zu fördern.

Kaili Mao, Green-Bonds-Analyst bei NN IP, sage dazu: "Spaniens erste Green-Bond-Emission wird hoffentlich andere staatliche Emittenten dazu inspirieren, Anpassungsprojekte zu berücksichtigen. Wir erwarten von den Emittenten, dass sie nicht nur nachweisen, dass solche Projekte die physischen Klimarisiken eines Assets oder einer Aktivität erheblich reduzieren können. Sie müssen auch den CO2-Fußabdruck der Projekte bewerten, damit den Investoren eine Abwägungsprüfung zur Verfügung gestellt werden kann. Im Idealfall würde diese Bewertung zeigen, dass die Vorteile der Projekte in Bezug auf die Anpassung und Widerstandsfähigkeit deutlich überwiegen im Vergleich zu dem damit verbundenen CO2-Fußabdruck. Das spanische Finanzministerium hat uns signalisiert, dass es diese Bewertung in die Projektauswahl für die Anpassung einbezogen hat. Dies bewerten wir positiv."

Spanien sei der erste Staat, der in der zweiten Jahreshälfte 2021 eine grüne Anleihe emittiere, und der elfte Mitgliedstaat der Europäischen Union, der dem Green-Bond-Markt beigetreten sei. (08.09.2021/alc/a/a)