Erweiterte Funktionen

Emerging Markets leiden unter US-Zinswende - EU-Kapitalmarktrenditen weiter orientierungslos


11.09.18 12:30
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Steigende US-Zinsen haben die Schwellenländer unter Druck gesetzt, so die Experten der Alte Leipziger Trust in ihrem aktuellen "INVEST-REPORT".

Lange hätten sie von den niedrigen Zinsen profitiert und zunehmend Kredite in US-Dollar aufgenommen. Mit den Leitzinserhöhungen der FED habe sich das Umfeld grundlegend geändert. Viele Anleger würden deshalb von riskanteren Schwellenländeranlagen in sichere US-Dollar-Anlagen umschichten, was massive Abwertungen der Schwellenländer-Währungen nach sich ziehe. Für Unternehmen mit Einnahmen in Lokalwährung werde es immer schwieriger, ihre Fremdwährungskredite zu bedienen. Noch schlimmer als die Türkei habe es Argentinien erwischt: Seit Jahresbeginn habe der Peso um über 50% gegenüber dem US-Dollar abgewertet.

Die Finanzmärkte, vor allem die Kapitalmarktzinsen, seien immer noch ziemlich orientierungslos. Während sich die Kapitalmarktzinsen in den USA trotz weiterer Zinserhöhungen im Trend seit Februar nur horizontal bewegt hätten und im schmalen Korridor zwischen 2,8% und 3,0% schwanken würden, hätten sich die Kapitalmarktzinsen in Deutschland im gleichen Zeitraum mehr als halbiert. Politische Unsicherheit in Italien, die Türkei-Krise und Ängste vor einer Konjunkturschwäche hätten die Nachfrage nach dem sicheren Hafen erhöht. Kurzfristig sollte sich daran wenig ändern. Wenn aber in den kommenden Monaten die EZB ihren Worten Taten folgen lasse und das Anleiheprogramm beende, sollten die Kapitalmarktrenditen wieder leicht anziehen können.

Die Krisen und Risiken auf internationaler Ebene würden immer wieder für eine hohe Nachfrage nach sicheren Anlagen sorgen. Dies stehe einem nachhaltigen Renditeanstieg am deutschen Kapitalmarkt bislang und voraussichtlich auch in den kommenden Wochen entgegen. Mit dem nahenden Ende der Netto-Anleiheankäufe durch die EZB und dem Näherrücken der Wende bei den Leitzinsen könnte die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen auf Jahressicht jedoch auf etwa 0,8% anziehen.

Allerdings könnten politische Entwicklungen dem durchaus entgegenstehen. Aktuell würden sich die Märkte nach wie vor um Italien Sorgen machen, wo im Herbst der Haushaltsplan der neuen Regierung vorgestellt werden solle. Befürchtet werde eine Ausgabenflut, die ein Erreichen der Maastricht-Kriterien unmöglich erscheinen ließe. In diesem Fall dürften Anleihen des Bundes wieder zum sicheren Hafen werden und die Renditen eher fallen.

2- und 5-jährige Anleihen des Bundes würden aktuell mit -0,57% bzw. -0,20% klar im negativen Renditebereich rentieren. 10-jährige Bunds würden gerade einmal 0,35% abwerfen. Bei einer Inflationsrate von derzeit 2,1% komme es also fortgesetzt zu deutlichen realen Vermögensverlusten bei klassischen Zinsanlagen. Ein völlig anderes Bild ergebe sich bei den US-Bonds. 2-jährige US-Staatsanleihen würden aktuell 2,65% bringen, 5-jährige 2,75% und 10-jährige-Papiere 2,88%. Die US-Inflation habe im Juli im Vergleich zum Vorjahr 2,9% betragen. (Ausgabe September 2018) (11.09.2018/alc/a/a)