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Emerging Markets-Rentenanlagen robust gegen Schocks


12.06.17 12:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Trotz der erneut aufflammenden Regierungskrise in Brasilien setzten die Rentenmärkte der Emerging Markets (EM) im Mai ihren seit Monaten andauernden Aufwärtstrend fort, so die Experten von Union Investment.

Unterstützung sei dabei von den anhaltend hohen Mittelzuflüssen und den festen Rohstoffpreisen gekommen. Auch die weiterhin ausbleibenden protektionistischen Maßnahmen vonseiten der USA und der schwächere US-Dollar hätten für Rückenwind gesorgt. So hätten EM-Renten-Investments auf Indexebene (J.P. Morgan EMBI Global Div. Index) im Mai 0,9 Prozent an Wert gewonnen. Die Risikoaufschläge (Spreads) hätten sich, nach einer sprunghaften Ausweitung rund um die Nachrichten aus Brasilien, auf Monatssicht seitwärts entwickelt.

Am 18. Mai sei bekannt geworden, dass Brasiliens Interimspräsident Michel Temer Schweigegeld-Zahlungen an den inzwischen verurteilen Ex-Chef des Unterhauses Cunha gebilligt haben solle. Temer, der die Vorwürfe bestreite, rücke damit ebenfalls ins Zentrum des gigantischen Korruptionsskandals rund um den halbstaatlichen Energiekonzern Petrobras. Die Märkte hätten heftig reagiert: Der Brasilianische Real habe gegenüber dem US-Dollar zeitweise über 10 Prozent verloren, die Spreads für lokale Anleihen aus Brasilien hätten sich um bis zu 150 Basispunkte ausgeweitet. Ein Grund für die starken Bewegungen seien die bereits eingepreisten hohen Erwartungen an die Reformagenda Temers gewesen. Insbesondere die für die Konsolidierung der Staatsfinanzen wichtige Renten- und Arbeitsmarktreform dürfte sich nun nach hinten verschieben und damit auch die wirtschaftliche Erholung Brasiliens ausbremsen. Die Ratingagenturen Moody's und S&P hätten bereits reagiert und ihre Note jeweils mit einem negativen Ausblick versehen.

Die Aktivität am Primärmarkt sei im Mai zurückgegangen. Die Neuemissionen seien aber - trotz teils ambitionierter Bewertung - gut nachgefragt geblieben. So seien die Platzierungen von Sri Lanka und Senegal mehrfach überzeichnet gewesen. Die Herabstufung von Chinas Kreditwürdigkeit durch Moody's auf A1 sei von den Marktteilnehmern erwartet worden und daher nicht von Preisverwerfungen begleitet gewesen.

Den "Brasilien-Schock" hätten die EM-Rentenanlagen gut verdauen können, das unterstreiche die anhaltende Robustheit und breite Unterstützung der Assetklasse. (Ausgabe Mai 2017) (12.06.2017/alc/a/a)