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Emerging Markets-Anleihen 2019: Wo liegen die Chancen nach einem turbulenten Jahr?


09.01.19 11:31
AB

München (www.anleihencheck.de) - Man kann es nicht schönreden: Im vergangenen Jahr haben die Schwellenländer (Emerging Markets, EM) gelitten, so Shamila Khan, Director - Emerging Market Debt, und Christian DiClementi, Portfolio Manager - Emerging Market Debt bei AllianceBernstein (AB).

Auch 2019 gebe es weiterhin Gegenwind für Schwellenländeranleihen - so wie auch für andere Risikoanlagen. Zu den Hauptursachen würden vor allem steigende Zinsen in den USA, ein starker US-Dollar und sinkende Marktliquidität zählen. Anleger sollten sich aber nicht abschrecken lassen.

Entwicklungen in verschiedenen Ländern der Emerging Markets (Schwellenländer) sprächen dafür, dass Schwellenländeranleihen Investoren spannende Möglichkeiten bieten könnten:

1. Die Schwellenländer seien nach wie vor der stärkste globale Wachstumsmotor. Im gegenwärtigen Umfeld mit nachlassender Konjunktur würden die Schwellenländer schneller wachsen als die Industriestaaten. Und die Kluft dürfte sich in den kommenden Jahren noch vergrößern: Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe für 2018 prognostiziert, dass die Schwellenländer um 4,7 Prozent wachsen würden - und damit die Industrieländer (2,4 Prozent) deutlich überholen würden.

2. Die externe Anfälligkeit sei deutlich zurückgegangen. In der Vergangenheit seien viele Schwellenländer aufgrund großer Leistungsbilanzdefizite bei ihrer kurzfristigen Finanzierung vollständig von ausländischen Investoren abhängig gewesen. Das sei heute nicht der Fall. Mit wenigen Ausnahmen hätten die Schwellenländer ihre Leistungsbilanzdefizite reduziert und mehr ausländische Direktinvestitionen angezogen - eine stabilere Finanzierungsquelle, da sie in der Regel langfristiger Natur sei.

3. Die Bewertungen seien aus historischer Sicht und im Vergleich zu anderen Risikoaktiva überzeugend. Nach dem Ausverkauf im Jahr 2018 seien die Bewertungen von Anleihen und Währungen überwiegend attraktiv. Zudem würden die Schwellenländerwährungen deutlich unter ihrem langfristigen historischen Durchschnitt notieren. Dagegen erscheine der US-Dollar überbewertet und werde im kommenden Jahr voraussichtlich nicht so schnell aufwerten, da sich das US-Wirtschaftswachstum verlangsamen dürfte. Nach der weitreichenden Korrektur des letzten Jahres seien zudem die Spreads (die Zusatzrendite im Vergleich zu "sicheren" Anlagen wie US-Treasuries) wesentlich größer als noch vor zwölf Monaten. Dadurch würden Schwellenländeranleihen über ein erheblich breiteres Schutzschild gegen steigende Zinsen als noch im vergangenen Jahr verfügen.

Bei auf US-Dollar lautenden Schwellenländeranleihen mit Investment-Grade-Rating habe zudem die Volatilität abgenommen und sei nun mit jener von US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen vergleichbar. Dies liege unter anderem daran, dass sich die Käuferbasis verbessert habe, denn mittlerweile würden diese Anlagen sowohl große institutionelle Investoren als auch lokale Investoren mit einem langen Anlagehorizont anlocken. Außerdem habe sich die durchschnittliche Bonität von Schwellenänderanleihen mit Investment-Grade-Status im Vergleich zu US-Investment-Grade-Anleihen in den letzten Jahren stark verbessert.

Ob Handelsspannungen, US-Rezession, Brexit oder straffere Geldpolitiken: Die volkswirtschaftlichen und geopolitischen Risiken seien nach wie vor vorhanden und dürften auch in diesem Jahr für Kursschwankungen sorgen. Zudem bestünden zwischen den einzelnen Ländern erhebliche Unterschiede, was die volkswirtschaftliche Stabilität, Governance und Finanzpolitik angehe.

So sähen die Experten von AB etwa Potenzial in Brasilien, wo die neue Regierung die Privatisierung und eine Rentenreform vorantreibe und versuche, die aufgeblähte Verschuldung des öffentlichen Sektors zu reduzieren. Auch in der Türkei sähen sie taktische Chancen: Dort habe eine orthodoxere Politik den Kurssturz der Türkischen Lira beendet, während niedrigere Ölpreise dazu beigetragen hätten, das Leistungsbilanzdefizit des Landes zu verringern.

Anderenorts sei das politische Risiko höher anzusiedeln. In Mexiko würden die populistischen Tendenzen des neuen Präsidenten Andrés Manuel Lópes Obrador große Sorge bereiten und es bestehe die Befürchtung, dass er ausländischen Investoren den Zugang zum Energiesektor verwehren könnte. In Argentinien müssten Investoren hohe Renditen gegen die Möglichkeit abwägen, dass die reformistische Regierung bei den anstehenden Wahlen die Macht verliere.

Anleger sollten daher auf diesem schnell wachsenden globalen Anleihesektor eine gezielte Auswahl treffen. Bei den aktuellen Kursen könnten ausgewählte Schwellenländeranleihen einen langfristigen Mehrwert für ein Portfolio schaffen. (09.01.2019/alc/a/a)