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Eine markante Aktienmarktkorrektur wäre keine Überraschung


04.02.21 09:30
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die von den Notenbanken erwünschte Reflationierung des Finanzsystems funktioniert dank einer Reihe aggressiver Maßnahmen, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich.

Insbesondere die unverändert expansive Geldpolitik steche hier heraus. Aktuell kaufe die US-Notenbank monatlich USD 120 Milliarden an Wertpapieren am Markt - das sogenannte Quantitative Easing - und erhöhe dadurch ihre Bilanz weiter. Die EZB nehme dafür ihrerseits EUR 80 Milliarden monatlich in die Hand. Die für das konjunkturelle Wachstum wichtigen Geldmengen M1 und M2 würden entsprechend ansteigen und damit belegen, dass die Geldpolitik derzeit noch wirke und das von der FED und EZB geschöpfte Geld im Bankensystem ankomme.

Dieser potenzielle Inflationsdruck spiegele sich auch in weiteren wichtige Faktoren wider. So seien die Bargeldbestände der privaten Haushalte wie auch der Unternehmen sowohl in den USA als auch in Europa auf Rekordhoch. Zusammen mit den stark steigenden US-Häuserpreisen würden sich hier wirkungsvolle Vermögenseffekte zeigen, die positive Auswirkungen auf den Güterkonsum hätten.

Nach Berechnungen von Thinktanks dürften rund sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die US-Haushalte auf der hohen Kante hätten, abzüglich bereits angelegter Rücklagen für erwartete Steuererhöhungen, im zweiten und dritten Quartal in den Konsum fließen. Zusammen mit einem annähernd planmäßigen Verlauf bei Impfungen, weiteren Impfstoffzulassungen und der Abkehr von Lockdowns sollte die Konjunktur ausgesprochen starke Unterstützung erfahren.

Trotz des positiven Gesamtbilds bestünden eine Reihe von Gefahren, die derzeit noch nicht akut seien: Immer problematischer werde die absolut hohe Bewertung der Aktienmärkte (KGVs von 30 und höher). Diese werde zwar gemäß FED-Präsident Jerome Powell durch die tiefen Zinsen relativiert. Trotzdem seien die Märkte damit sehr anfällig für kleinste Störungen in Form steigender Zinsen oder temporärer monetärer Luftlöcher.

Die Experten würden aktuell die meisten positiven Konjunkturprognosen für bereits enthalten in den Aktienkursen halten. Eine kurzfristige, markante Korrektur von bis zu zehn Prozent könne daher jetzt nicht mehr überraschen. Bekanntermaßen habe sich die Teilnehmerzahl am Aktienmarkt durch Kleinanleger entscheidend erhöht. Diese breite Masse berge erhöhtes Panik- und damit Rückschlagpotenzial. Dennoch würden die Experten generell für 2021 Kursgewinne im mittleren einstelligen Prozentbereich im Aktiensegment für möglich halten. Somit würden sie derzeit Korrekturen als Zukaufgelegenheit sehen, solange sich an den genannten Rahmenbedingen nichts substanziell ändere.

Die Märkte für Unternehmensanleihen seien dagegen momentan in einem neutralen Bewertungsbereich, das Schwellenländersegment sei sogar leicht günstig. Hier sollten Investoren selektiv Opportunitäten nutzen. Klarer Favorit für das momentane Umfeld sei die Anlageklasse der Wandelanleihen. Convertibles hätten im vergangenen Jahr eindrucksvoll die Vorteile ihrer Eigenschaften aufgezeigt und zum Teil sogar deutlich besser als die globalen Aktienmärkte performt. Auch in diesem Jahr, in Erwartung anhaltend hoher Volatilität und Unsicherheit bezüglich der gesamten Covid-19-Lage, würden die Experten sie als eine äußerst interessante Alternative zu direkten Aktieninvestments sehen. Gerade ihre asymmetrische Charakteristik, die das Markttiming erleichtere, dürfte in diesem Umfeld erneut hilfreich sein. (04.02.2021/alc/a/a)