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Eine Normalisierung der Geldpolitik zeichnet sich immer deutlicher ab


05.07.21 12:15
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - So lange die Kombination aus hoher Liquidität, guter Konjunktur, nur moderat steigenden Zinsen und gut kontrollierten Inflationserwartungen anhält, besteht ein ideales Umfeld für die Aktien- und Kreditmärkte, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.

Doch auch zu viel Gutes könne für die Finanzmärkte schlecht sein. Somit könnten sich schon bald potenzielle Probleme aus der sehr positiven Entwicklung des Arbeitsmarkts in den USA ergeben. Denn die US-Notenbank FED habe einen Wechsel ihrer Geldpolitik klar mit dem Arbeitsmarkt verknüpft. Wenn es hier in den kommenden Wochen zu einer stärker als erwarteten Verbesserung komme, dürften die Märkte die lockere Geldpolitik zunehmend infrage stellen. Die US-Arbeitslosenrate sei deshalb bis auf weiteres der Schlüsselfaktor für die künftige Geldpolitik und damit auch für die Aktien- und Zinsmärkte.

Ein zusätzliches Problem seien die aktuell immer stärker steigenden Immobilienpreise in den USA, aber auch weltweit. Eine weitere Beschleunigung werde ebenfalls durch monetäre Gegenmaßnahmen bekämpft werden müssen. Eine Normalisierung der Geldpolitik zeichne sich damit immer deutlicher ab. Im Moment bestehe deshalb aber noch keine unmittelbare Gefahr für die Finanzmärkte. Einerseits kühle sich die globale Konjunktur leicht ab, die Inflationserwartungen seien beschränkt und trotz besserer Arbeitsmärkte seien die Lohnkostenzuwächse derzeit noch fallend. Zudem würden die FED und auch andere Notenbanken derzeit sehr geschickt kommunizieren und die Märkte schonend auf einen möglichen Wechsel der Geldpolitik vorbereiten.

Damit bleibe das Aufwärtspotenzial am Aktienmarkt intakt, sei aber aufgrund der historisch sehr hohen Bewertungen und der aktuellen konjunkturellen Abkühlung mit entsprechend schwächerem Gewinnmomentum der Unternehmen beschränkt. Auch die Kreditmärkte würden nur noch niedrige Risikoprämien bieten. Die Credit Spreads würden nahe historischer Tiefstände notieren. Der Trend bei den langfristigen Zinsen dürfte nach der jüngsten Konsolidierung wieder leicht nach oben zeigen. Insgesamt befänden sich die Märkte in einer trendschwachen Phase und seien anfällig bei Störungen. Entsprechend sollten Investoren achtsam sein. Eine Timing-Hilfe stelle die Reaktion der Börsen auf unerwartete Neuigkeiten dar. Hier seien Divergenzen sehr aufschlussreich: Bisher habe der US-Staatsanleihenmarkt auf negative Meldungen (höhere Inflation, gute Konjunktur) positiv reagiert (fallende Zinsen). Diese Art von Divergenz sei ein Zeichen hoher markttechnischer Stärke. Falls sich an diesem Reaktionsmuster etwas ändere, drohe ein Trendwechsel. (05.07.2021/alc/a/a)