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Der Effekt eines höheren risikofreien Zinssatzes


11.06.18 13:30
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Die amerikanische Notenbank (FED) ist dabei, den Leitzins Schritt für Schritt anzuheben, so die Experten von AXA Investment Managers.

Dies wirke sich auf die Renditen der US-Staatsanleihen aus, die in den vergangenen Monaten sichtbar gestiegen seien. Soweit sei die Europäische Zentralbank (EZB) zwar noch nicht, denn die Märkte würden erst ab dem kommenden Jahr Zinserhöhungen erwarten. Jedoch fahre sie bereits in diesem Jahr ihr Anleihekaufprogramm zurück. Dies spreche für ein baldiges Ende der ultralockeren Geldpolitik in der Eurozone.

"Die Straffung der Geldpolitik führt nicht nur zu einer anderen Einschätzung des risikofreien Zinssatzes", sage Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA IM. Zugleich seien die Risikoaufschläge (Spreads) bei riskanteren Anleihen gestiegen, also bei Emittenten, die über eine schlechtere Bonität als etwa die USA oder Deutschland verfügen würden. "Auch wenn sich derzeit die Verschärfung der europäischen Geldpolitik noch in Grenzen hält, haben wir zuletzt einige erhebliche Spannungen beobachtet", so der Anleihe-Experte.

Die sich verschlechternden Fundamentaldaten in Italien und die neu gebildete euroskeptische Regierung dort hätten zum Beispiel die Risikoprämien für italienische Anleihen nach oben schnellen lassen. Trotzdem lägen die Renditen von italienischen Staatsanleihen immer noch unter denen von US-Staatspapieren. "Der Grund dafür ist eindeutig die EZB, die Italien den Rücken stärkt", so Iggo, der an die berühmten Worte des EZB-Chefs Mario Draghis aus dem Sommer 2012 erinnere - man werde alles tun, um den Euro zu retten, habe Draghi damals gesagt und hinzugefügt: "Und glauben Sie mir, es wird ausreichen." Das Risiko, dass Italien die Eurozone verlasse, sei laut Iggo "momentan immer noch gering".

Seitdem die Renditen der US-Staatsanleihen steigen würden, würden sich die Spreads in den Schwellenländern ausweiten. Die Risikoprämien würden sich vor allem in Ländern mit hohen Auslandsschulden, schwachen Währungen, steigender Inflation sowie der sich im Zuge der Straffung der Geldpolitik verschlechternden Wachstumsprognosen vergrößern.

Die wichtigsten Erkenntnisse der jüngsten Entwicklungen seien für Chris Iggo: Erstens führe die Straffung der Geldpolitik zu einer Neubewertung der Risikoprämien. Zweitens seien die größten Auswirkungen in den Ländern zu sehen, in denen die Risiken infolge der veränderten wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen steigen würden. Drittens seien die Länder mit den niedrigsten Wachstumsraten, den höchsten Leistungsbilanzsalden, Auslandsschulen und den schlechtesten Haushaltsbilanzen am stärksten gefährdet. Dies gelte auch für Länder, die die inländischen monetären Bedingungen nicht an die innenwirtschaftlichen Bedingungen anpassen würden - die zuletzt drastischen Leitzinserhöhungen in Argentinien und der Türkei seien warnende Beispiele dafür. "Da sich die globalen geldpolitischen Bedingungen weiter verschärfen, wird es künftig eine stärkere Differenzierung von Performance und Rendite geben. Festverzinsliche Anlagen werden deshalb volatil bleiben", resümiere Iggo. (11.06.2018/alc/a/a)