Erweiterte Funktionen

Die EZB wird ihre geldpolitischen Sondermaßnahmen ausweiten


15.05.20 10:00
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - "Die Gefahren dürften weitaus größer sein, wenn die Lösungsansätze der politischen Entscheidungsträger jetzt zu kurz greifen", schlussfolgere Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management, in seinem Kommentar.

Er erwarte keinerlei Begrenzungen bei den politischen Lockerungsmaßnahmen und gehe davon aus, dass die EZB ihr im März als geldpolitische Sondermaßnahme beschlossenes Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) im Juni ausweite.

"Noch gibt es keine wirklich guten Nachrichten hinsichtlich eines Impfstoffs gegen Covid-19. Die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle führt dazu, dass risikoscheue politische Entscheidungsträger zur Vorsicht rufen. Derweil könnte in einer Welt mit zurückgehender Inflation und extrem niedrigen Anleiherenditen die Versuchung groß sein, die Haushaltsdefizite aufzublähen und den Zentralbanken zu erlauben, Geld zu drucken, um die rezessiven Auswirkungen zu begrenzen. Marktteilnehmer sollten gewarnt sein: Die jüngste Rally der Vermögenspreise bedeutet nicht, dass die geld- und fiskalpolitischen Lockerungen die wirtschaftlichen Risiken eindämmen. Die aktuelle Politik hat zur Folge, dass die Welt zunehmend mit Schulden überschwemmt wird und die Anleihen-Neuemissionen immer höher steigen. Das wird nicht ewig so bleiben. Letztlich können wirtschaftliche Notlagen zwar aufgeschoben, aber nicht vollumfänglich vermieden werden. Die politischen Entscheidungsträger können jetzt kaum mehr tun, als die Risse einer kaputten Wirtschaft mit Papiergeld zu überbrücken. Es zeichnet sich möglicherweise langsam ab, dass die durch den Corona-Schock ausgelösten Verwerfungen genauso weitreichend sein könnten wie die der globalen Finanzkrise.

Die massive Bereitstellung von Liquidität hat dazu geführt, dass der S&P 500-Index auf einem fast identischen Niveau gehandelt wird wie vor zwölf Monaten, bevor die Gewinne einbrachen. In den vergangenen Wochen haben die Zentralbanken allerdings eine eher abwartende Haltung eingenommen. Der Eindruck dürfte nicht trügen, dass die politischen Verantwortlichen abwarten, ob das Virus eingedämmt und die Lockdown-Beschränkungen gelockert werden können oder ob eine erneute Verschlechterung der Rahmenbedingungen zu einem neuen Vertrauensverlust an den Märkten führen könnte - was weitere politische Interventionen erforderlich machen würde. Obwohl die Volatilität zuletzt relativ niedrig blieb, wäre es nicht allzu überraschend, wenn die Märkte blitzschnell in die eine oder andere Richtung ausschlagen würden.

Für uns steht fest: Es herrscht ein unverkennbarer Überoptimismus in Bezug darauf, wie schnell sich die Wirtschaftstätigkeit in der zweiten Jahreshälfte erholen kann. Gestützt werden die Hoffnungen vom beispiellosen Maß an politischer Unterstützung, dessen Zeuge wir seit gut zwei Monaten sind. Für die Politik dürfte es zweifellos ein sehr schwieriges Unterfangen sein, den Umfang ihrer Reaktion auf einen Schock passgenau abzustimmen, den die Welt als Ganzes noch nie zuvor durchgemacht hat. Angesichts der Gefahren, mit denen wir derzeit konfrontiert sind, ist es verständlich, dass die politischen Entscheidungsträger die Risiken weiterhin nach unten verzerrt sehen. Es ist wie bei einem Golfer, der in unübersichtlichem Terrain einen kurzen Schlag spielen muss und geneigt sein könnte, den Ball zu weit zu schlagen. In einer ganz ähnlichen Lage sehen sich jetzt die Politiker. Sie wissen: Die Gefahren dürften weitaus größer sein, wenn ihre Lösungsansätze jetzt zu kurz greifen. Wir erwarten daher keinerlei Begrenzungen bei den Lockerungsmaßnahmen. Wir erwarten mit Sicherheit, dass die EZB ihr am 8. März 2020 als geldpolitische Sondermaßnahme beschlossenes Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) im Juni ausweitet." (15.05.2020/alc/a/a)