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EZB will weitere Euro-Aufwertung verhindern


06.09.17 11:45
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Matthias Hoppe, Senior Vice President und Portfoliomanager bei Franklin Templeton Multi-Asset Solutions, kommentiert die Geldpolitik der EZB und deren Auswirkungen auf den Euro.

Was würde Matthias Hoppe sagen, wenn er Mario Draghi beraten sollte, etwa während er am Skript für seine Rede beim jährlichen wirtschaftspolitischen Symposium der Federal Reserve Bank of Kansas City in Jackson Hole, Wyoming, feile? Hoppe würde wahrscheinlich vor allem darüber grübeln, wie nahezu unmöglich sein Job erscheine.

Im Gegensatz dazu wirke es geradezu einfach, sich hinzusetzen und diesen Beitrag zu verfassen. Selbst die Verwaltung von Multi-Asset-Portfolios vor dem Hintergrund erhöhter Aktienbewertungen und jeder Menge potenzieller Katalysatoren für einen Anstieg der Volatilität erscheine im Vergleich zu der Herausforderung, vor der der Präsident der EZB heute stehe, einfacher.

Die EZB stehe am Anfang einer kritischen Phase in ihrem Auftrag zur Erhaltung der Preisstabilität in der Eurozone: Die Konjunkturlage verbessere sich, die Inflation bleibe jedoch hartnäckig unterhalb ihres Ziels von 2%. Die am Verbraucherpreisindex gemessene Gesamtinflation der Eurozone habe im Juli bei 1,3% gelegen. Damit sei die EZB zwar in der Lage gewesen, den Sieg gegen die Deflation zu verkünden, von der Erreichung ihres Inflationsziels sei sie jedoch noch weit entfernt.

Daher habe der EZB-Rat seine Vorgabe bestätigt, wonach die Zinsen auf längere Sicht und weit über die Beendigung des quantitativen Lockerungsprogramms hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben würden.

Die früheren Artikel von Matthias Hoppe zur Stärke des Euro seien durch die Versuche von Marktanalysten angeregt worden, die Bewegungen der Währung im Hinblick auf Kommentare seitens der Zentralbank und vor dem Hintergrund eines wirtschaftlichen Umfelds, das dem Euro deutlich mehr Unterstützung biete, zu erklären. Dieser Stimmungsumschwung könnte jedoch genauso sehr auf Entwicklungen auf der anderen Seite des Atlantiks zurückzuführen sein wie auf Faktoren, die sich im Einflussbereich der EZB befänden. Nichtsdestotrotz konzentriere sich die Aufmerksamkeit des Marktes (ebenso wie Hoppes Beitrag) nun erneut auf die Versuche der EZB, die Fehlinterpretation ihrer eigenen Kommentare durch den Markt zu "korrigieren". Draghis Aufgabe sei also alles andere als einfach.

Wie man bereits zuvor angemerkt habe, würde die EZB aus Sicht der Experten sicherlich eine starke Aufwertung des Euro gern verhindern, vor allem angesichts einer Inflationsrate, die noch deutlich von ihrem Ziel entfernt sei. In der Tat könnten wir bereits den Punkt erreicht haben, an dem die Stärke des Euro die geldpolitischen Bedingungen genügend gestrafft hat, um den Ausblick für das Wachstum der Unternehmensgewinne und eine angemessene Ausgewogenheit der Geldpolitik zu ändern, so die Experten von Franklin Templeton. Die Frage sei daher, ob die EZB es in der Hand habe, den Anstieg des Euro zu kontrollieren.

In der vergangenen Woche hatten die Experten von Franklin Templeton Gelegenheit, das Protokoll der Juli­Sitzung des EZB-Rates zu lesen. Aus diesem sei hervorgegangen, dass der Ausschuss ausdrücklich auf das Risiko hingewiesen habe, dass der Wechselkurs künftig über das Ziel hinausschießen könnte. Die Ratsmitglieder hätten es vermeiden wollen, Signale auszusenden, "die überinterpretiert würden und sich als verfrüht erweisen könnten". Und was sei geschehen? Der Euro sei weiter angestiegen und habe inzwischen den höchsten Stand seit Anfang 2015 erreicht. Nicht ohne Grund sei in der Sitzung angemerkt worden, dass der EZB-Rat "mehr politischen Handlungsspielraum und eine größere Flexibilität erlangen müsse, um die Geldpolitik und den Grad an geldpolitischer Akkommodierung bei Bedarf sowohl nach oben als auch nach unten hin anpassen zu können".

Durch die Aufwertung des Euro sei sein Wert gegenüber dem US-Dollar auf ein Niveau gestiegen, das seit Beginn des Wertpapierkaufprogramms der EZB nicht mehr verzeichnet worden sei. Dies habe wiederum weitere spekulative Anlagen in die Einheitswährung ausgelöst, wodurch diese auf einen mehrjährigen Höchststand geklettert sei. Es sei interessant zu hinterfragen, ob ein solcher Schritt, der ursprünglich aufgrund von Erwartungen über eine Verringerung der Anleihenkäufe unternommen worden sei, ironischerweise zu einer Verlängerung des Anleiheaufkaufprogramms führen könnte.

Entsprechend gespannt hätten Marktteilnehmer auf Draghis Rede gewartet. Draghi habe sich in Jackson Hole allerdings überhaupt nicht zum Euro geäußert. Eine starke Währung kleinzureden sei sinnlos. Dies sei genauso gut dokumentiert wie die fehlgeschlagenen Versuche, zur Stützung eines sinkenden Wechselkurses am Markt zu intervenieren. Die schweizerische Nationalbank (SNB) erhole sich seit kurzem allmählich vom hoch bewerteten Schweizer Franken, was teilweise der Aufwertung des Euro zu verdanken sei. Die Volatilität, die durch den vorherigen fehlgeschlagenen Versuch der SNB, die Aufwertung des Franken zu bremsen, ausgelöst worden sei, sei den europäischen Zentralbankern jedoch weiterhin bestens in Erinnerung. Verbale Eingriffe, die darauf abzielen würden, dem Anstieg einer Währung Einhalt zu gebieten, seien eine kniffelige Angelegenheit. Im besten Fall könne es höchstens gelingen, den Prozess zu bremsen.

Aber Draghi habe seine Rede halten und Hoppe einen Beitrag schreiben müssen. Hoppe habe es nicht geschafft, der Versuchung zu widerstehen, einmal mehr über das Dilemma der EZB zu schreiben. Mario Draghi habe sich stattdessen an das Thema des Symposiums - "Förderung einer dynamischen Weltwirtschaft" - gehalten. Normalerweise seien Zentralbanker eher bestrebt, Themen wie eine Förderung der Produktivität und einer dynamischen Wirtschaft zu vermeiden. Denn hierbei handle es sich nicht wirklich um ein Problem, dem man mit monetären Instrumenten alleine beikommen könne. Für auf Inflation fokussierte Zentralbanker, die keinesfalls etwas Falsches sagen möchten bzw. die bestrebt seien, "ein Aussenden von Signalen zu vermeiden, die überinterpretiert würden und sich als verfrüht erweisen könnten", sei dieses Thema dieses Mal - verständlicherweise - jedoch durchaus attraktiv gewesen. (Ausgabe 68 vom September 2017) (06.09.2017/alc/a/a)