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EZB wartet wohl noch ab


07.09.17 09:45
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Monaten hatte die EZB mehrfach darauf verwiesen, dass aus Sicht der Währungshüter noch kein nachhaltiger, sich selbst tragender Inflationsanstieg in der Eurozone hin zur EZB-Zielmarke von mittelfristig "unter, aber nahe 2%" zu beobachten ist, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Zuletzt habe sich EZB-Präsident Draghi allerdings dahingehend geäußert, dass die deflationären Kräfte im gemeinsamen Währungsraum mittlerweile durch reflationäre ersetzt worden seien. Die Interpretation der Finanzmarktteilnehmer, wonach die EZB vor einem baldigen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik stehe, sei von der Notenbank indes relativiert worden. Zudem würden die jüngsten Inflationsdaten nicht auf einen nachhaltig anziehenden Preisdruck schließen lassen.

So habe die Jahresrate der Konsumentenpreise im August zwar leicht auf 1,5% angezogen (Juli: 1,3%), im weiteren Jahresverlauf 2017 dürfte die jüngste Aufwertung des Euro aber einen dämpfenden Effekt ausüben. Zudem sei die Kernrate im vergangenen Monat bei 1,2% und damit auf einem überschaubaren Niveau verblieben. Im Juni hätten die EZB-Experten für das laufende Jahr eine durchschnittliche Teuerung von 1,5% unterstellt. Aber auch in den kommenden beiden Jahren würden die Notenbanker "nur" mit Preisanstiegen von 1,3% bzw. 1,6% rechnen, was eine erneute Zielverfehlung für die EZB darstellen würde.

Somit sei ein schneller Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nicht zu erwarten, zumal für die anstehende EZB-Prognoserunde eine erneute Abwärtsrevision einzukalkulieren sei. Die Analysten würden jedenfalls für das kommende Jahr nur von einer Durchschnittsinflation von 1,1% ausgehen. Dazu trage u. a. die angeführte spürbare Aufwertung des Euro bei. Aber auch von der Lohnseite entstehe bisher noch kein zusätzlicher Preisdruck. Daher hätten die Währungshüter keine Eile bei der Rückführung der Volumina der QE-Käufe.

Laut Presseberichten seien den EZB-Ratsmitgliedern verschiedene Szenarien für die Rückführung der Anleihekäufe vorgelegt worden. Mit einer entsprechenden Ankündigung würden die Analysten aber nicht heute, sondern erst auf der EZB-Sitzung im Oktober rechnen. Dabei würden die Analysten davon ausgehen, dass die EZB die Anleihekäufe ab Januar 2018 auf monatlich 40 Mrd. EUR reduzieren (aktuell: 60 Mrd. EUR) und im Verlauf des kommenden Jahres sukzessive zurückführen werde. Dabei sei von den europäischen Notenbankern bisher klar kommuniziert worden, dass eine Leitzinserhöhung erst nach dem Ende des "Tapering" als monetäre Maßnahme ins Auge gefasst werde. Die Analysten würden daher bis Ende 2018 mit einem unveränderten Niveau sowohl beim Einlagen- als auch beim Hauptrefinanzierungssatz rechnen. (07.09.2017/alc/a/a)