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EZB vertröstet die Märkte auf Oktober - mit betont vorsichtigen Worten


07.09.17 16:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer heutigen Ratssitzung keine Beschlüsse zur Adjustierung ihres orthodoxen Instrumentariums gefasst und die Leitzinsen dort belassen, wo sie seit März vergangenen Jahres sind, so die Analysten der Nord LB.

Das Expanded Asset Purchasing Programme (EAPP) werde im bestehenden Umfang von monatlich EUR 60 Mrd. mindestens bis Ende 2017 fortgesetzt. Dies sei von den Marktteilnehmern und allen im Vorfeld von Bloomberg befragten Volkswirten so erwartet worden und von daher keine Überraschung. Dennoch sei das Interesse an den Erläuterungen des Ratsvorsitzenden Mario Draghi groß gewesen, da die Finanzmärkte nach jedem noch so kleinen und versteckten Hinweis auf die Ausgestaltung und Umsetzung der unter der Begrifflichkeit des "Tapering" zum Jahresbeginn 2018 auf der Agenda stehenden schrittweisen Reduzierung der Nettoankäufe Ausschau gehalten hätten.

Auf der sich der Sitzung anschließenden Pressekonferenz sei die Forward Guidance im bisherigen Zuschnitt beibehalten worden. Demnach werde die Notenbank die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum und über die Dauer der Nettoankäufe hinaus auf dem gegenwärtigen Niveau belassen. Auch mit Blick auf das EAPP sei die Formulierung, wonach sich die EZB im Bedarfsfall eine Ausweitung des Umfangs und/oder der Dauer des Programms vorbehalte, nicht angepasst worden. Dies sei Ausdruck einer betont vorsichtigen Strategie.

Hätte die EZB die Märkte etwas forscher auf den Einstieg in den Ausstieg vorbereiten wollen, wäre der Verzicht auf diesen Easing Bias gewiss ein probates Mittel gewesen. Stattdessen habe Draghi erklärt, man habe zwar verschiedene Szenarien diskutiert, eine "Kalibrierung" des weiteren Umgangs mit dem EAPP werde man aber "im Herbst" vornehmen - auf Nachfrage habe Draghi die nächste Ratssitzung am 26. Oktober genannt.

Besonderes Augenmerk habe sich auf die Kommentare des Ratsvorsitzenden zur merklichen Aufwertung des Euro gerichtet, die der EZB bekanntermaßen Sorgen bereite. Draghi habe klargemacht, dass der Wechselkurs keine Zielvariable der Notenbank sei. Die Entwicklungen und vor allem die Volatilität am Devisenmarkt müssten aber berücksichtigt werden und hätten für Unsicherheit gesorgt. Den Höhenflug der Gemeinschaftswährung habe dies nicht stoppen können, der Euro sei in der Spitze bis über 1,2050 USD geklettert.

In den turnusmäßig aktualisierten Projektionen würden sich graduelle Anpassungen finden. So würden die Volkswirte der Notenbank für dieses Jahr nun mit einem etwas stärkerem Wirtschaftswachstum in der Eurozone von 2,2% rechnen (zuvor 1,9%), die Inflationsprognose sei für 2017 bei 1,5% belassen und für 2018 aufgrund des starken Euro leicht von 1,3% auf nun 1,2% nach unten revidiert worden. Draghi habe betont, Geduld sei gefragt, bis das Inflationsziel erreicht werden könne. Auch dies sei Ausdruck eines extrem vorsichtigen und dosierten Vorgehens.

Die Analysten würden weiterhin erwarten, dass die EZB zum Jahresbeginn 2018 beginnen werde, die Nettoankäufe schrittweise zu reduzieren und den Ausstieg aus dem EAPP bis September 2018 abgeschlossen haben werde. Da ihr beim Wechselkurs und bei den Renditen der Staatsanleihen kaum an größeren Turbulenzen gelegen sein könne, werde sie die Marktteilnehmer im Oktober sehr schonend darauf vorbereiten.

Wie erwartet habe die EZB auf ihrer heutigen Ratssitzung keine Adjustierungen ihres Instrumentariums beschlossen. Zur Ausgestaltung des Tapering habe Mario Draghi erklärt, man habe zwar verschiedene Szenarien diskutiert, eine "Kalibrierung" des weiteren Umgangs mit dem EAPP werde man aber "im Herbst" vornehmen - auf Nachfrage habe er die nächste Ratssitzung am 26. Oktober genannt. Die Beibehaltung des Easing Bias bei der Forward Guidance zum EAPP spreche hierbei für eine betont vorsichtige Vorgehensweise. Die Analysten würden weiterhin erwarten, dass die EZB zum Jahresbeginn 2018 beginnen werde, die Nettoankäufe schrittweise zu reduzieren und den Ausstieg aus dem EAPP bis September 2018 abgeschlossen haben werde. (07.09.2017/alc/a/a)