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EZB unter zunehmenden Druck


15.09.17 12:40
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Als ob die Entscheidungen und Äußerungen von Präsident Trump in diesem Jahr die USA nicht schon genug in Aufruhr versetzt hätten, wird das Land von der diesjährigen Hurrikan-Saison besonders stark getroffen, so Daniel Schär, CFA bei der Weberbank.

Schon zwei große Tropenstürme hätten gewütet und Verwüstungen hinterlassen. Neben den menschlichen Tragödien, die diese Naturkatastrophen mit sich gebracht hätten, seien die ökonomischen Folgen ebenfalls eklatant. Zwar gebe es zu den genauen Zahlen noch große Unsicherheiten, jedoch lasse sich feststellen, dass beide Stürme zusammen ein ähnliches Schadensausmaß wie beim Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 erwarten lassen würden. Der damalige Sturm habe zu den schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte des Landes gezählt und Schäden von weit über 100 Mrd. USD hinterlassen.

Kurzfristig sollte das amerikanische Wirtschaftswachstum durch Produktionsausfälle im Energiebereich und Umsatzeinbußen im Einzelhandel belastet sein, mittelfristig sollte jedoch der Wiederaufbau für einen Investitionsschub sorgen und somit das Wachstum beleben. Der schwelende Streit zwischen Republikanern und Demokraten bezüglich der Anhebung der Schuldenobergrenze habe vorerst beigelegt werden können, da der politische Konsens bestanden habe, schnelle unbürokratische Hilfe für die betroffenen Unwetterregionen zur Verfügung zu stellen. Insgesamt würden die USA somit ein robustes wirtschaftliches Umfeld aufweisen, das sich auch in den kommenden Quartalen fortsetzen sollte.

Die Europäische Notenbank stehe weiterhin unter Zugzwang. Die Wirtschaft in der Eurozone entwickle sich gut und die Erwartungen an das diesjährige Wirtschaftswachstum seien auf 2,2% noch oben revidiert worden. Die Inflationsrate habe sich wieder im positiven Bereich etabliert und somit werde es immer schwieriger den sehr expansiven Kurs der Notenbank zu begründen. Schlagkräftigstes Argument für eine notwendige Änderung der Politik bleibe jedoch das Schuldnerlimit von 33 Prozent, das im Rahmen des monatlichen Anleihekaufprogramms beachtet werden müsse.

Für einige Länder, wie beispielsweise Deutschland, sei bereits die 30-Prozent-Marke überschritten worden. Es seien also schon fast 1/3 aller umlaufenden deutschen Staatspapiere mit Laufzeiten zwischen einem und 30 Jahren an die Europäische Zentralbank verkauft worden. Um nicht eine verdeckte Staatsfinanzierung unterstellt zu bekommen, müsse die EZB zeitnah handeln und ihr Anleihekaufprogramm drosseln. Die Analysten der Weberbank erwarten somit Änderungen der bisherigen Notenbankpolitik in den kommenden Monaten.

Die Aktienbörsen hätten sich kaum beeindruckt gezeigt von den Unwettermeldungen aus Amerika. Auch die schwelende Nordkorea-Konfliktgefahr werde kaum mehr in den Tagesschwankungen wahrgenommen. Der amerikanische Aktienmarkt, gemessen am S&P 500-Index, habe sogar einen neuen Höchststand erreichen können. Für den Euro-Investor sei von den Kurszuwächsen in diesem Jahr jedoch nichts übrig geblieben, da die USD-Abwertung von 13 Prozent den kompletten Aktienjahresertrag neutralisiert habe. Die Analysten der Weberbank haben aus diesem Grund schon zu Jahresbeginn ihr Engagement in US-Titeln deutlich zurückgefahren und Europa und die Schwellenländer favorisiert. Der Ausblick für diese Marktsegmente bleibe zuversichtlich und biete weiterhin Potenzial. Die erwartete Änderung der europäischen Notenbankpolitik könnte die Stimmung jedoch kurzfristig eintrüben.

Als die US-Notenbank im Jahr 2013 eine ähnliche Änderung ihrer Politik angekündigt habe, sei es über einige Wochen zu starken Marktverwerfungen und Kursrückgängen im zweistelligen Prozentbereich gekommen. Mittlerweile hätten die Marktteilnehmer aber mehr Erfahrungen mit ultraexpansiver Notenbankpolitik gemacht und sollten insgesamt besonnener reagieren. Das Umfeld für Aktien bleibt nach Meinung der Analysten der Weberbank positiv. (15.09.2017/alc/a/a)