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EZB unter Druck?


10.09.20 08:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank stellt heute das Highlight im Datenkalender dar und sowohl die Entscheidung als auch die Pressekonferenz von Christine Lagarde werden mit Spannung erwartet, so die Analysten der Helaba.

Sehe sich die EZB unter Druck, den monetären Expansionsgrad zu erhöhen? Die Inflationsraten seien zuletzt gesunken und auch der Anstieg der Inflationserwartungen sei zum Erliegen gekommen. Zudem gebe es vermehrt Zweifel im Hinblick auf die Dynamik der konjunkturellen Erholung. Zwar würden einige Stimmungsbarometer weiterhin ein kräftiges Q3-Wachstum signalisieren, enttäuscht hätten aber auch Rückschläge beispielsweise in Italien und Spanien. Zufrieden zurücklehnen könnten sich die Notenbanker daher wohl nicht. Dennoch würden die Analysten nicht mit einer Zinssenkung rechnen, da die EZB-Vertreter in der Vergangenheit immer wieder betont hätten, dass die Fiskalpolitik in der Krisenbekämpfung stärker gefordert sei.

Die großen EU-Unterstützungsprogramme würden nun erst anlaufen und so wäre es nach Erachten der Analysten nicht hilfreich, zinspolitisch nochmals nachzulegen. Dies gelte umso mehr, als dass das Zinsinstrument in seiner Wirksamkeit an Grenzen zu stoßen scheine. Auch bei den Anleihekäufen bestehe wohl kein akuter Handlungsbedarf. Noch seien die Mittel nicht ausgeschöpft und eine frühzeitige Festlegung auf mehr könnte den Druck von der Fiskalpolitik nehmen, zu agieren. Bleibe als einzige Stellschraube der Bankensektor, dem die EZB im Rahmen des Tierings Erleichterung schaffen könnte. Bundesbankpräsident Weidmann habe darauf verwiesen, dass es verstärkt zu Kreditausfällen kommen dürfte und so könnte dies die Stoßrichtung angedeutet haben. Starke Hinweise darauf vonseiten der EZB-Vertreter habe es allerdings nicht gegeben. (10.09.2020/alc/a/a)