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EZB und Beige Book im Fokus


07.09.21 08:51
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach Jackson Hole und vor der nächsten US-Notenbanksitzung werden hochrangige FED-Offizielle in dieser Woche in ihren Reden Hinweise auf die weiteren Pläne des FOMC liefern wollen, so Dr. Tobias Basse und Bernd Krampen von der NORD/LB.

Bekanntlich habe Jerome Powell in Wyoming eher dezente Signale in Richtung einer bevorstehenden langsamen Normalisierung der US-Geldpolitik ausgesendet. Einige Marktteilnehmer scheinen offenbar mehr Klartext vom FED-Chef erwartet zu haben - aber Klartext ist spätestens seit Alan Greenspan eindeutig keine große Stärke der US-Notenbank mehr, so die Analysten der NORD/LB. In der Tat sei "FED-Speak" seit den 1990er Jahren eher das genaue Gegenteil von unmissverständlichen Aussagen! In jedem Fall habe Jerome Powell es versäumt mehr Klarheit zu schaffen. Die nun vor der nächsten FOMC-Sitzung noch anstehenden Reden von hochrangigen Vertretern der US-Notenbank könnten eine gewisse Abhilfe schaffen.

Zur Vorbereitung der Sitzung werde in dieser Woche zudem das Beige Book veröffentlicht. In der Publikation würden die regionalen US-Zentralbanken ihre Einschätzungen zur Lage der Wirtschaft erörtern. Es sei sicherlich mit in der Summe positiven Kommentaren zu rechnen; spannend könnte der Blick auf mögliche Divergenzen in den einzelnen Bundesstaaten sein. Grundsätzlich - also ohne weiteren noch unerwarteten ökonomischen Gegenwind - sei davon auszugehen, dass die FED ihre Wertpapierkäufe noch in 2021 vorsichtig herunterfahren wolle, was perspektivisch für etwas höhere US-Kapitalmarktzinsen sprechen müsste. Da Leitzinsanhebungen im FOMC noch für eine ganze Weile kein Thema sein sollten, bleibe das kurze Ende der US-Zinsstrukturkurve dagegen wohl auf einem niedrigen Niveau verankert.

Ein weiteres Highlight der Woche sei die EZB-Sitzung. Nach recht "hawkishen" Kommentaren einige hochrangiger EZB-Offizieller dürfte dieses schon grundsätzlich spannende "Event" (inklusive der Pressekonferenz) an den Märkten nun sogar noch stärker Beachtung finden. Die Worte von Christine Lagarde hätten beispielsweise immer das Potenzial, den europäischen Rentenmarkt in größere Bewegung zu versetzen.

Im Laufe der Woche werde noch auf die Daten zu den Stimmungsindikatoren des ZEW zu achten sein, welche jüngst die Bewegungen beim ifo-Geschäftsklima frühzeitig angezeigt hätten. Auch die US-Produzentenpreise könnten eine Bedeutung für den globalen Rentenmarkt haben. (Ausgabe 36 vom 06.09.2021) (07.09.2021/alc/a/a)