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EZB stemmt sich gegen Renditeanstieg


03.05.21 12:30
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Aufgrund der gigantischen staatlichen Hilfspakete und der raschen Impffortschritte übernehmen die USA - wieder einmal - die Rolle als Konjunkturlokomotive, so die Experten von Swisscanto Invest.

Im laufenden Quartal werde sich die Wachstumsdynamik in den USA weiter beschleunigen und ihren Höhepunkt erreichen. Länder, welche die Pandemie durch einschränkende Maßnahmen von Anfang an gut im Zaum gehalten hätten, seien im Konjunkturzyklus bereits weiter fortgeschritten. So habe in China die Erholung bereits im 1. Quartal 2021 an Kraft eingebüßt. Die wirtschaftliche Erholung in vielen Ländern Kontinentaleuropas stehe hingegen erst in den Startlöchern.

Die Kehrseite der kräftigen konjunkturellen Erholung lasse sich an den stark steigenden Kosten, insbesondere bei wichtigen Vorleistungsgütern und Rohmaterialien, ablesen. Zusammen mit einem ungünstigen Basiseffekt aus dem Vorjahr habe dies zu einem spürbaren Anstieg der Inflation geführt. In den nächsten beiden Monaten dürfte die Teuerung weiter zulegen. Später würden die Experten von Swisscanto Invest wieder mit einer Entspannung an der Preisfront rechnen. Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank (EZB) hätten mehrfach betont, dass sie den Preisanstieg als temporär erachten würden und ihre expansive Geldpolitik noch für längere Zeit uneingeschränkt fortsetzen möchten.

Die EZB habe ihren expansiven geldpolitischen Kurs im April wie erwartet bestätigt. Die Leitzinsen würden auf historischen Tiefstwerten bleiben und die Wertpapierkäufe würden noch mindestens bis im März 2022 fortgesetzt. Außerdem sollten die Käufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP) im 2. Quartal, wie bereits im März kommuniziert, vorübergehend signifikant erhöht werden, um weiterhin für ausgesprochen lockere Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Den gesamten Rahmen des PEPP von 1.850 Mrd. Euro möchten die Währungshüter nicht zwingend ausschöpfen, sondern nur dann, wenn es die Umstände erfordern würden.

Die Eurozonen-Wirtschaft habe trotz anhaltender Restriktionen im April ein beschleunigtes Wachstum verzeichnet. Die Staatsanleihenrenditen hätten im vergangenen Monat mit einem Anstieg über die gesamte Zinskurve auf diese Entwicklung reagiert. Die EZB werde einen weiteren Renditeanstieg jedoch mit mehr Anleihenkäufen in engen Grenzen halten. Damit werde das unmittelbare Aufwärtspotenzial bei den Renditen der Eurostaaten limitiert, was ein Hemmschuh für den Euro darstelle. Allerdings würden die äußerst lockeren Finanzierungsbedingungen auch die Erholung im Gemeinschaftsraum unterstützen, was wiederum einen positiven Effekt auf die Währung habe.

Seit dem Tief im März 2020 hätten sich die Aktienmärkte kräftig erholt. Dies sei im Wesentlichen auf eine äußerst expansive Geld- und Fiskalpolitik sowie die vergleichsweise schnelle Entwicklung von Impfstoffen zurückzuführen. Die Weltwirtschaft erhole sich besser als erhofft. Die konjunkturellen Frühindikatoren würden sich mittlerweile auf Niveaus bewegen, die historisch betrachtet nicht mehr viel Spielraum nach oben bieten würden. Frühindikatoren und Aktienmärkte würden einen hohen Gleichlauf aufweisen. Insofern wäre mit einer Konsolidierung zu rechnen, sobald die Frühindikatoren nicht mehr steigen oder sogar fallen würden. Allerdings gelinge es in den seltensten Fällen, Beginn und Ende zeitlich genau abzupassen. Deshalb sollte man darüber hinwegsehen, sofern man den fundamentalen Rahmen für steigende Aktienkurse als intakt erachte.

Das Gewinnwachstum des britischen, kanadischen und australischen Aktienmarkts weist eine deutlich höhere Dynamik auf als das der meisten anderen von uns betrachteten Regionen, so die Experten von Swisscanto Invest. Dies liege vor allem an der Gewinnerholung in den dort überdurchschnittlich stark vertretenen Sektoren Energie und Grundstoffe. Während die Bewertung des kanadischen und australischen Marktes, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), im abgelaufenen Monat weiter gestiegen sei, sei sie in Großbritannien leicht rückläufig gewesen. Tatsächlich liege das KGV auf Basis der erwarteten Gewinne des Vereinigten Königreichs mit historisch weitem Abstand unter demjenigen des Weltindex.

Dies würden die Experten von Swisscanto Invest als nicht gerechtfertigt erachten. Denn erstens herrsche in Sachen Brexit jetzt Klarheit. Zweitens komme das Königreich beim Impfen gut voran und drittens gebe es bereits eine Öffnungsstrategie. Folglich würden die Experten von Swisscanto Invest viertens in den kommenden Monaten eine höhere Konjunkturdynamik als in anderen Wirtschaftsräumen erwarten. Für Australien sähen sie dagegen eher Gegenwind aufgrund der Wachstumsverlangsamung beim wichtigen Handelspartner China. Und in Nordamerika würden die Experten von Swisscanto Invest aufgrund seiner strukturellen Stärke nach wie vor den US-Markt gegenüber Kanada bevorzugen. In Europa entwickle sich Großbritannien aber immer mehr zu einem von internationalen Aktieninvestoren noch weitgehend ignorierten Favoriten. (03.05.2021/alc/a/a)