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EZB stellt Studie zu Minuszins-Folgen vor


15.05.20 10:15
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank steht regelmäßig in der Kritik, so die Experten von "FONDS professionell".

Nun habe die Notenbank in einer Studie ein positives Fazit gezogen.

Seien Negativzinsen Gift oder Medizin für die Wirtschaft in der Eurozone? Darüber debattiere die Politik seit langem. Die Europäische Zentralbank (EZB) wolle nun Fakten schaffen und habe am Mittwoch (13. Mai) eine umfangreiche Studie zum Thema vorgestellt. Darin fänden die Notenbanker viele lobende Worte für ihre Politik. So kämen die EZB-Ökonomen Miguel Boucinha und Lorenzo Burlon unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Negativzinspolitik, wie beabsichtigt, zu einer verstärkten Kreditvergabe der Banken an die Realwirtschaft geführt habe. Das berichte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Zwar sei die Negativzinspolitik offenkundig mit ungewollten Nebenwirkungen verbunden. So könnte sie unter anderem dazu führen, dass die Menschen verstärkt Bargeld horten statt ihr Erspartes in chancenreiche Langfrist-Anlagen umzuschichten. Im Augenblick gebe es aber keine starken Anzeichen für ein Leckwerden ("leakage") des Bankensystems, würden die Autoren schreiben. Von einem Abfließen von Liquidität aus dem Bankensystem ins Bargeld könne laut Studie also nicht die Rede sein.

Insgesamt würden die EZB-Ökonomen ein positives Fazit der Negativzinspolitik ziehen. Das Instrument habe die erwünschte Wirkung erzielt, die Nebenwirkungen seien noch beherrschbar. Sie hätten jedoch eingeräumt, dass die negativen Folgen umso stärker ins Gewicht fallen würden, je länger das Instrument eingesetzt werde. Ein Grund dafür sei, dass viele Banken derzeit noch von alten, höher verzinsten Eigenanlagen zehren würden. "Die Balance zwischen Kosten und Nutzen verändert sich, wenn die Zinsen für lange Zeit niedrig bleiben", heiße es in der Studie. (15.05.2020/alc/a/a)