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EZB sollte umsichtig kommunizieren


06.09.17 15:30
Fidelity International

Kronberg im Taunus (www.anleihencheck.de) - Morgen wird sich die Europäische Zentralbank (EZB) zu ihren aktuellen Plänen zum Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm äußern, so Andrea Iannelli, Anleihe-Experte bei Fidelity International.

Die EZB habe dabei nur sehr wenig Handlungsspielraum. Mit ihrer restriktiven Rhetorik habe sie dem Euro jedoch kräftig nach oben verholfen. Die Einheitswährung habe seit Jahresanfang auf handelsgewichteter Basis rund acht Prozent zugelegt und werde die ohnehin bereits niedrige Inflation im Euroraum zusätzlich bremsen.

"Die EZB sollte umsichtig handeln, wenn sie ein Überschießen des Wechselkurses vermeiden will", so Iannelli. Der Experte gehe davon aus, dass die Anleihekäufe erst ab Januar 2018 reduziert würden und das Programm um mindestens sechs Monate verlängert werde. Außerdem werde der Nettoeffekt des Ausstiegs aus der lockeren Geldpolitik gedämpft, da die von der EZB aktuell gehaltenen fällig werdenden Anleihen wiederangelegt würden. Das Volumen schätze er auf rund zehn Milliarden Euro pro Monat ab 2018.

Europäische Staatsanleihen seien angemessen bewertet. Angesichts des unverändert knappen Angebots - vor allem bei deutschen Bundesanleihen - sehe Iannelli für den Anstieg der Renditen kaum Luft nach oben. Anleihen der Peripherieländer hätten im Sommer vor allem aus taktischen Gründen von der Nachfrage nach Carry Trades durch die geringe Volatilität profitiert. Das politische Risiko werde in den kommenden Monaten jedoch erneut ins Blickfeld der Anleger rücken, vor allem in Italien. Das dürfte sich negativ auf die Spreads in Peripherieländern auswirken, so Iannelli. (06.09.2017/alc/a/a)