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EZB: Die politische Entscheidung markiert einen besorgniserregenden Rückschritt


11.09.20 13:00
PGIM Fixed Income

Newark (www.anleihencheck.de) - Katherine Neiss, Chief European Economist bei PGIM Fixed Income, kommentiert die EZB-Sitzung.

Nach mehreren Monaten mutigen, aggressiven und koordinierten Handelns der EZB markiere die gestrige Entscheidung eine besorgniserregende Rückkehr zu den Tagen Ende 2019, als die Mitglieder des EZB-Rats über die Notwendigkeit weiterer geldpolitischer Lockerungen vor dem Hintergrund einer rückläufigen Inflation gespalten gewesen seien. Damals habe die Gefahr einer Aufhebung der inflationären Absicherung nach unten bestanden. Was wir heute gelernt haben, ist, dass dieses Risiko immer noch sehr präsent ist, so Katherine Neiss von PGIM Fixed Income.

Die Ankündigung, dass die Geldpolitik auf Eis gelegt werde, sei allgemein erwartet worden, und die Tatsache, dass sich die politischen Entscheidungsträger bei der EZB auf die Auswirkungen der Euro-Aufwertung konzentrieren würden und entschlossen seien, das PEPP in vollem Umfang zu nutzen, sei beruhigend. Das Problem allerdings sei, dass die EZB nach ihren eigenen aktualisierten Prognosen ihr Ziel deutlich unterschreite. Darüber hinaus habe der allgemeine Tenor der Pressekonferenz relativ wenig Besorgnis über die niedrigen Inflationsaussichten erkennen lassen. Dies lasse den Schluss zu, dass der EZB-Rat eher unbesorgt darüber sei, dass er sein Mandat nicht erfülle und Gefahr laufe, als Zentralbank mit Inflationsziel weiter an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Mit einer bevorstehenden Überprüfung des geldpolitischen Rahmens und einem deutlichen Rückgang des monatlichen Programms zum Kauf von Vermögenswerten, das nach Dezember erwartet werde, schließe sich für die EZB das Fenster, um diesen Eindruck zu korrigieren. Andere Zentralbanken, die in die disinflationäre Falle getappt seien, würden wahrscheinlich zu schnellem Handeln raten. (11.09.2020/alc/a/a)