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EZB passt "forward guidance" an


09.06.17 09:15
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat erwartungsgemäß keine Änderung ihrer Zinssätze sowie des monatlichen Anleihekaufvolumens beschlossen, berichten die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

So bleibe der Hauptrefinanzierungssatz bei 0% und der Einlagensatz bei -0,40%. Die monatlichen Assetkäufe sollten sich weiterhin auf 60 Mrd. EUR belaufen. Aufgrund nicht mehr vorhandener Deflationsrisiken sei indes die "forward guidance" angepasst worden. So habe die EZB in Bezug auf die Leitzinsen darauf verzichtet, ein niedrigeres Niveau in Aussicht zu stellen. Der entsprechende Passus laute nun nur noch "die EZB-Zinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf dem aktuellen Niveau zu belassen".

In der Pressekonferenz zur Zinsentscheidung habe EZB-Präsident Mario Draghi zwar die verbesserten Wachstumsaussichten für das gemeinsame Währungsgebiet betont - die Risikoeinschätzung sei von "abwärtsgerichtet" nach oben angepasst worden und stehe erstmals seit August 2011 wieder bei "nahezu ausgeglichen". Die BIP-Prognosen für die Jahre 2017, 2018 und 2019 habe man zudem um jeweils einen Zehntelpunkte (auf 1,9%, 1,8% und 1,7%) nach oben angehoben.

Gleichzeitig habe Draghi aber darauf verwiesen, dass sich die Kernrate der Inflation (ohne Energie, Nahrungsmittel sowie Alkohol und Tabak) noch nicht auf einem überzeugenden Aufwärtstrend befinde und somit auch weiterhin ein sehr expansiver Grad an geldpolitischer Unterstützung notwendig sei, um das Ziel der Preisstabilität auf mittlere Sicht zu gewährleisten. Diese Einschätzung sei durch die aktualisierten Prognosen der EZB-Experten untermauert worden, nach denen die Teuerung im Durchschnitt der Jahre 2017, 2018 und 2019 nur noch bei 1,5% (bisher: 1,7%), 1,3% (bisher: 1,6%) und 1,6% (bisher: 1,7%) liegen werde.

Über eine Anpassung der QE-Käufe sei nach Aussage des EZB-Präsidenten nicht diskutiert worden. Hier dürften die unterschiedlichen Standpunkte im Hinblick auf den notwendigen Expansionsgrad der Geldpolitik in den kommenden Monaten jedoch verstärkt in den Fokus rücken. Die Analysten würden davon ausgehen, dass im Herbst 2017 ein Beschluss gefasst werde, wonach die monatlichen Anleihekäufe ab Januar 2018 in ihrem Umfang reduziert würden. (09.06.2017/alc/a/a)