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EZB noch vorsichtig - Entscheidung im Oktober


08.09.17 08:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank hat den geldpolitischen Expansionsgrad erwartungsgemäß nicht verändert, so die Analysten der Helaba.

Der Einlagenzins liege weiterhin bei -0,40% und der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,0%. Das Volumen des Anleihekaufprogramms betrage wie bisher 60 Mrd. EUR je Monat. Das Programm solle bis Ende dieses Jahres laufen, mindestens aber solange, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkenne, die mit dem Inflationsziel im Einklang stehe. Der Passus, wonach es zu einer Ausweitung des QE-Programms bezüglich Dauer und/oder Volumen kommen könne, sei nicht gestrichen oder verändert worden. Präsident Draghi habe somit wieder deutlich gemacht, dass es die EZB mit der geldpolitischen Wende nicht besonders eilig habe.

Der Hinweis, dass die jüngste Volatilität des Euro-Wechselkurses eine Quelle der Unsicherheit darstelle, habe den Euro nicht belastet. Im Gegenteil hätten sich Marktteilnehmen offenbar vielmehr von der Aussage beeindruckt gezeigt, dass der Wechselkurs kein Politikziel der EZB sei. Obwohl der EZB-Stab für die neuen Projektionen einen deutlich höheren Eurokurs zu berücksichtigen gehabt habe, sei die Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 2,2% von 1,9% erhöht worden. Im nächsten Jahr werde unverändert mit einem BIP-Anstieg von 1,8% gerechnet. Demgegenüber bleibe die Inflation auf Sicht der kommenden Jahre unterhalb des EZB-Ziels von unter aber nahe zwei Prozent, sodass mit zinspolitischen Schritten vorerst nicht zu rechnen sei. Die EZB werde den Großteil ihrer QE-Entscheidungen voraussichtlich im Oktober treffen, so Draghi.

Im Gegensatz dazu habe die US-Notenbank das Leitzinsband bereits um insgesamt 100 Basispunkte auf 1,00 bis 1,25% erhöht, beginnend im Dezember 2015. Seit Dezember letzten Jahres sei auf jeder zweiten FOMC-Sitzung ein Zinsschritt beschlossen worden. In offiziellen Stellungnahmen heiße es, dass graduelle Anpassungen weiterhin angemessen seien, dennoch würden Marktteilnehmer auf ein vorläufiges Ende des Zinserhöhungspfads spekulieren. Bis Ende 2018 werde nicht einmal ein einziger Schritt vollständig eskomptiert.

Bei der nächsten FOMC-Sitzung am 20. September würden die neuen Leitzinsprojektionen vorgestellt. Im Juni habe die Mehrheit der FOMC-Mitglieder noch vier Erhöhungen bis Ende nächsten Jahres für angemessen gehalten. Dies könnte sich in Anbetracht der enttäuschenden Inflationsentwicklung geändert haben. Die FED-Vertreter Brainard, Kashkari und Kaplan hätten sich für eine vorsichtige Gangart ausgesprochen, während andere Vertreter eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr für möglich halten würden. (08.09.2017/alc/a/a)