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EZB nimmt beim PEPP moderat den Fuß vom Gaspedal


10.09.21 10:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach zuletzt einigen hawkishen Äußerungen wurde die Sitzung der Europäischen Zentralbank am 9. September 2021 mit einer gewissen Spannung erwartet, so die Analysten der Nord LB.

Wenig überraschend sei, dass sowohl die Leitzinsen als auch das Ankauftempo beim APP unverändert geblieben seien. Auch das avisierte Gesamtvolumen des Pandemie-Notfallprogramms PEPP in Höhe von EUR 1,85 Bio. sei nicht angetastet worden.

Allerdings sehe der Rat offenbar einhellig keine Notwendigkeit mehr, zur Sicherung günstiger Finanzierungskonditionen das Front-Loading beim PEPP fortzusetzen. Im vierten Quartal werde das Tempo der Nettoankäufe daher verglichen mit den beiden Vorquartalen wieder moderat reduziert. Dies folge sehr robusten Wirtschaftsdaten, die in der Tat nahe legen würden, dass die Wirtschaft der Eurozone inzwischen mit einer etwas geringeren Unterstützung zurechtkommen werde.

Auch wenn damit die Falken im Rat einen Teilerfolg für sich verbuchen könnten, ein Tapering stelle dies sicher noch nicht dar. Ein explizites Volumen werde weiterhin bewusst nicht genannt und der Rat behalte sich vor, flexibel auf Marktentwicklungen zu reagieren. Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe die Formulierung Tapering wie der Teufel das Weihwasser gemieden und vielmehr von einer "Rekalibrierung" des PEPP gesprochen. Damit solle vor allem der Eindruck einer Vorfestlegung auf einen kontinuierlichen Abbaupfad vermieden werden.

Die Analysten würden für die nächsten Monate eine nur moderate Reduktion des monatlichen Ankaufvolumens erwarten, auch um nicht zu sehr von dem Pfad abzuweichen, wie er durch das avisierte Gesamtvolumen definiert werde. Zwar müsse das Volumen nicht voll ausgeschöpft werden, gleichwohl hätten die jüngsten Ausführungen von Lagarde wiederholt nahegelegt, dass nach Möglichkeit ein vollständiges Ausnutzen des Gesamtvolumens angestrebt werde.

Trotz der aktuell soliden Wirtschaftsdaten sei heute noch nicht der richtige Zeitpunkt für grundsätzliche Aussagen zur Zukunft des PEPP über den März 2022 hinaus gewesen, auch wegen der Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf. Dieses Thema werde erst im Dezember auf die Agenda rücken, eine aggressivere Vorgehensweise der EZB als die FED würden die Analysten aber weiter für unwahrscheinlich halten.

Die kurzfristige Inflationsprojektion habe die EZB erneut anheben müssen. Sie erwarte nun realistischerweise eine Jahresrate von 2,2% für 2021. Die Einschätzung, dass dem aktuellen Auftrieb weitgehend transitorische Effekte zu Grunde lägen, bleibe aber unverändert. Allerdings habe Lagarde das Risiko eines längeren Aufwärtsdrucks für die Inflation durch angebotsseitige Restriktionen diskutiert. Mögliche Risiken für Zweitrundeneffekte in Form einer Lohnpreisspirale wolle die EZB genau beobachten. Dass dies nicht das Basisszenario der EZB sei, würden die Inflationsprojektionen für 2022 (1,7%) und 2023 (1,5%) signalisieren. Gemäß der im Juli an die neue Strategie angepassten Forward Guidance komme genau diesen längerfristigen Prognosen eine ganz entscheidende Bedeutung zu.

Die Ergebnisse der Septembersitzung würden somit weitgehend den Erwartungen der Finanzmarktteilnehmer entsprechen. Der leichte Anstieg der Kapitalmarktzinsen in den vergangenen Tagen könnte sich noch etwas fortsetzen, große Sprünge seien aus Sicht der Analysten aber nicht zu erwarten.

Die EZB habe auf ihrer Septembersitzung eine moderate Verlangsamung des PEPP-Ankauftempos für das vierte Quartal beschlossen. EZB-Präsidentin Lagarde habe mehrfach betont, dass dies als "Rekalibrierung" (und somit noch nicht als Tapering) zu verstehen sei. Angesichts solider Wirtschaftsdaten und auch von den Währungshütern inzwischen höher eingeschätzter Inflationsrisiken nehme die EZB etwas den Fuß vom Gaspedal, die Zukunft des PEPP werde aber erst im Dezember grundsätzlich diskutiert. Wegen des hohen Stimulus müsse der Rat einen langen Bremsweg einplanen. Die Leitzinsen würden noch lange Zeit festgezurrt bleiben, daher bleibe das Aufwärtspotenzial für die Kapitalmarktzinsen begrenzt. (Ausgabe vom 09.09.2021) (10.09.2021/alc/a/a)