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EZB nimmt Kurs auf Tapering - Endlich wieder höhere Renditen?


15.09.17 11:10
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Auf ihrer Zinssitzung am 7. September hat die EZB noch keine expliziten Signale für ein beginnendes Tapering gegeben, aber angekündigt, eine "Rekalibrierung" ihres Anleiheankaufprogramms auf ihrem Treffen Ende Oktober vorzunehmen, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die Anleihekäufe der EZB in Höhe von 60 Mrd. Euro würden derzeit noch bis Ende 2017 laufen. Nach Erachten der Analysten der HSH Nordbank AG dürfte die EZB verkünden, dass diese 2018 fortgesetzt werden, es allerdings sukzessive zu einer Reduzierung kommt (Tapering). Die Betonung der Währungshüter sollte auf dem nur ganz allmählichen Auslaufen der Anleihekäufe liegen, denn eine zu starke neuerliche Aufwertung des Euro würden sie zu vermeiden suchen. Entsprechend vorsichtig dürfte die Kommunikation ausfallen.

Auch die konkrete Ausgestaltung des Tapering - insbesondere Startzeitpunkt, Dauer, Art der Volumenreduzierung und Aufteilung auf die einzelnen Anleiheklassen - sollte die EZB auf ihrer Zinssitzung Ende Oktober bekannt geben. Bestehende Restriktionen, bei denen die EZB bisher zumindest wenig Flexibilität signalisiert habe, wie zum Beispiel die 30%-Obergrenzen bei Käufen pro Emission und Emittent, sprächen für eine zu Jahresbeginn 2018 stärkere Reduzierung der Anleihekäufe, um diese Obergrenzen nicht zu gefährden. Dafür dürfte die EZB eine längere Laufzeit der Käufe signalisieren.

Die Analysten der HSH Nordbank AG könnten sich vorstellen, dass die Währungshüter die Anleihekäufe mit Jahresbeginn 2018 um 20 Mrd. Euro auf 40 Mrd. Euro reduzieren und dann die Käufe in kleineren Schritten zurücknehmen, sodass diese in der zweiten Jahreshälfte 2018 beendet sind. Nichtsdestotrotz sei die Geldpolitik weiterhin sehr expansiv ausgerichtet, denn die Mittel aus fällig werdenden Anleihen würden weiterhin in neue Anleihen investiert, sodass kein Abbau des Portfolios in der Bilanz der EZB erfolge. Eine erste Zinsanhebung könnte - abhängig von der Inflationsentwicklung - frühestens zum Jahresende 2018 durchgeführt werden.

Eine dominante Rolle auf der Pressekonferenz der EZB habe die Kursentwicklung des Euro bzw. die starke Aufwertung der Gemeinschaftswährung gespielt. Nach EZB-Chef Mario Draghi generiere die hohe Volatilität des Wechselkurses Unsicherheit, die der EZB mit Blick auf die zukünftige Inflationsentwicklung Sorge bereite und die sie genau beobachten wolle. Denn die Festigung des Euro hemme die Inflationsentwicklung, worauf die Geldpolitik reagieren müsse. Schon angesichts des jetzigen Niveaus des Euro (die EZB habe mit einem Stand von 1,18 für Euro/US-Dollar kalkuliert) sei die prognostizierte Inflationsrate für 2018 mit 1,2% (2017 unverändert 1,5%) leicht nach unten angepasst worden.

Sollte die EZB tatsächlich in Richtung Tapering marschieren, dürfte sich dies in der Folge in deutlich erhöhten Renditeniveaus für die Bundesanleihen widerspiegeln. Im Vergleich zu Ende Juni/Anfang Juli seien die Bund-Renditen angesichts einer Zunahme der geopolitischen Risiken, die zu einer Fluchtbewegung in sichere Anlagen wie Bundesanleihen führe, deutlich gesunken. Damals hätten die zehnjährigen Bund-Renditen kurzfristig bei rund 0,60% gelegen - auch dank einer Rede von Mario Draghi, in der dieser ein Tapering in der Eurozone erstmals ins Spiel gebracht habe. Derzeit würden diese nur noch etwas oberhalb von 0,30% rentieren.

Ein sprunghafter Anstieg wie in den USA 2013, als Notenbankchef Ben Bernanke das Tapering angekündigt habe, sei jedoch nicht zu erwarten, da der Überraschungseffekt weniger groß sein sollte. Auf der anderen Seite des Atlantiks seien die zehnjährigen Renditen von der ersten Marktvorbereitung auf das Tapering bis zur tatsächlichen Durchführung um insgesamt 1 Prozentpunkt gestiegen. Mit dem Beginn des Tapering seien die Renditen dann wieder gesunken. Die Analysten der HSH Nordbank AG rechnen mit einem Anstieg der langfristigen Bund-Renditen bis zum Jahresende auf 0,80%. Zudem drücke die angespannte geopolitische Lage weiterhin auf die Renditen und spreche damit gegen einen stärkeren Anstieg. In der ersten Jahreshälfte 2018 könnte der Renditeanstieg noch etwas weiterlaufen, sich aber deutlich abflachen. (Ausgabe vom 14.09.2017) (15.09.2017/alc/a/a)