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EZB liefert nicht und hält damit Renditeniveaus unten


02.11.17 13:10
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat sich auf ihrer Zinssitzung am 26. Oktober recht dovish gezeigt: Sie hat zwar angekündigt, ihre Anleihekäufe ab Januar 2018 um die Hälfte auf dann 30 Mrd. Euro pro Monat zu reduzieren, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Doch dieses Volumen beabsichtige sie bis Ende September 2018 zu kaufen, womit sie von einer weiteren sukzessiven Verringerung der Käufe über die Monate à la FED absehe, d.h. es gebe kein offizielles Ende der Käufe. Wenn es die EZB angesichts der Konjunktur- und Inflationsentwicklung für nötig erachte, könnte das Programm - möglicherweise mit einem nochmals reduzierten Volumen - noch weiter laufen. Die Notenbank habe darüber hinaus angekündigt, dass die Tender bis Ende 2019 voll zugeteilt würden und dass noch lange nach dem Ende der Nettokäufe Fälligkeiten von Papieren weiterhin reinvestiert würden.

Die Vorsicht der EZB habe die Renditen der Bundesanleihen wieder fallen lassen und dürfte deutlich höheren Renditeniveaus auch zukünftig im Weg stehen. Dabei brumme der Konjunkturmotor in der Eurozone so kräftig wie schon lange nicht mehr. Die Wirtschaftsleistung habe im dritten Quartal um 0,6% gegenüber dem Vorquartal zugelegt, nach zuvor 0,7%. Doch das Augenmerk der EZB liege eindeutig auf der Inflationsrate, die im Oktober mit 1,4% leicht gesunken sei und sich damit weiter von ihrem Preisziel von knapp 2% entfernt habe. Die Krise um die Unabhängigkeit in Katalonien habe sich - zumindest vorerst - entspannt. Mit der Aktivierung des Artikels 155 der Verfassung habe die Zentralregierung Katalonien die Autonomie entzogen, die Regionalregierung entmachtet (und wegen Rebellion angeklagt) sowie Neuwahlen für den 21. Dezember angesetzt.

In den USA setze sich der Aufschwung mit einem Wachstum von 3,0% (annualisiert, qoq) im dritten Quartal ebenfalls ungebremst fort. Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe sei zwar im Oktober zurückgegangen, weise aber mit einem hohen Niveau immer noch auf eine kräftige Expansion in dem Sektor hin. Für den Index des Dienstleistungssektors morgen gelte Ähnliches.

Die FED-Sitzung vom 01.11. habe wenig Neues erbracht. Die Analysten der HSH Nordbank AG rechnen unverändert mit einer erneuten Zinsanhebung der FED um 25 Bp im Dezember auf dann 1,25% bis 1,50% - trotz der niedrigen Inflationsrate (PCE Kernrate), die aktuell bei 1,3% liegt. Doch die FED sehe die niedrige Teuerung als temporäres Phänomen an, längerfristig werde sich ihres Erachtens die Inflationsrate wieder dem Preisziel von 2% annähern.

Spannender werde es um die Vorstellung eines Nachfolgers für FED-Chefin Janet Yellen, die Präsident Donald Trump für heute (02.11.) angekündigt habe. Nach Medienberichten, die sich auf das Weiße Haus berufen würden, scheine FED-Gouverneur Jerome Powell die größten Chancen zu haben, womit der jetzige geldpolitische Kurs der FED unverändert fortgeführt werden dürfte.

Ein weiteres Highlight in den USA sei die Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichtes für Oktober. Nach dem Stellenabbau im September, der durch die Hurrikans bedingt gewesen sei, sollte sich wieder ein recht kräftiger Stellenaufbau ergeben. (02.11.2017/alc/a/a)