EZB legt erstmals Fälligkeitenprofil offen


08.11.17 12:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Im Nachgang zur EZB-Sitzung Ende Oktober hatte Notenbankpräsident Draghi angekündigt, dass das Eurosystem künftig die Fälligkeiten in den einzelnen Ankaufprogrammen für die jeweils kommenden zwölf Monate veröffentlichen wird, so Mario Gruppe, CIIA von der Nord LB.

Anfang der Woche habe die Notenbank nun erstmalig die anstehenden Fälligkeiten veröffentlicht. Für das PSPP seien die Volumina auslaufender Bonds durchaus beachtlich. Für die Zeit bis zum Jahresende 2017 sei der noch zu reinvestierende Fälligkeitenbetrag mit knapp EUR 2,5 Mrd. zwar noch verhältnismäßig überschaubar. Dies werde sich dann aber im kommenden Jahr ändern.

Im Januar 2018 habe das Eurosystem im Rahmen des PSPP bereits Fälligkeiten in Höhe von knapp EUR 4,6 Mrd. zu reinvestieren. Der April stelle aus Sicht der kommenden zwölf Monate den volumenmäßigen Ausreißer nach oben dar, wenn Fälligkeiten im Umfang von EUR 22,6 Mrd. anstünden, gefolgt von den Monaten Oktober (EUR 21,1 Mrd.) und Juli (EUR 16,1 Mrd.). Im laufenden Jahr seien ytd bereits Anleihen im Gesamtvolumen von EUR 22,7 Mrd. fällig geworden. Allein im Oktober habe entsprechende Volumen bei EUR 8,5 Mrd. gelegen, die nun sukzessive zu reinvestieren seien. Auch die Fälligkeitenstruktur folge dem in der Vergangenheit zu beobachtendem Saisonmuster: Zum Jahresende würden die Beträge deutlich abnehmen, Gleiches gelte für die Zeit der Sommerferien. Davon abgesehen habe das Eurosystem im kommenden Jahr aber nahezu jeden Monat einen erheblichen Reinvestmentbedarf öffentlicher Anleihen.

Einem Medienbericht zufolge habe die positive Entwicklung der Haushalte der deutschen Bundesländer in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres weiter angehalten. Gestützt durch gestiegene Steuereinnahmen hätten die 16 Länder demnach bis Ende September einen aggregierten Haushaltsüberschuss über EUR 12,7 Mrd. erzielt. Für das Gesamtjahr 2017 sei mit einem Überschuss in einer Größenordnung von EUR 15 Mrd. zu rechnen. Lediglich in NRW habe es in den ersten drei Quartalen ein Haushaltsdefizit gegeben. Die solide Haushaltsentwicklung dürfte im kommenden Jahr damit auch das Emissionsvolumen von Bundesländeranleihen weiter sinken lassen. Bereits seit einigen Jahren sei hier ein rückläufiges Angebot festzustellen. Entsprechend rechnen die Analysten der Nord LB 2018 auch nur mit marginalen Spreadausweitungen im Segment der Bundesländeranleihen. Die verringerte Notenbanknachfrage infolge der Ankaufreduktion ab Januar 2018 sollte zwar tendenziell steigende Spreads auslösen. Die - teils umfangreichen - Reinvestments und das rückläufige Angebot würden aus Sicht der Analysten diese Entwicklung aber begrenzen.

Die EFSF plane den noch offenen Fundingbedarf für das laufende Jahr in Höhe von EUR 2,8 Mrd. durch die Aufstockung zweier Anleihen zu decken. Die Kreditfazilität habe ein Konsortium mit der Durchführung des Dual-Taps beauftragt. Demnach solle die EFSF 0,875% 7/2027 und die EFSF 1,8% 7/2048 jeweils aufgestockt werden. Mit EUR 49 Mrd. habe die EFSF in diesem Jahr einen ausgesprochen hohen Refinanzierungsbedarf gehabt. Die günstigen Rahmenbedingungen hätten der Emittentin aber stets geholfen, sich zu auskömmlichen Konditionen zu refinanzieren. Auch die regelmäßig sehr hohen Bid-to-Cover Ratios würden zeigen, dass die EFSF-Emissionen auf hohe Marktnachfrage getroffen hätten. Im kommenden Jahr werde die EFSF deutlich seltener am Primärmarkt vorstellig werden. Aktuell plane sie mit einem Emissionsvolumen für 2018 über EUR 22 Mrd.

Wie im vergangenen Jahr habe Argentinien erneut EUR-Benchmarkanleihen begeben. Über die Emission von drei Bonds verschiedener Laufzeiten habe das Land insgesamt EUR 2,75 Mrd. eingesammelt. Mit Laufzeiten von fünf, zehn und 30 Jahren habe sich das Land einmal mehr auf das lange Ende der Kurve konzentriert. Insgesamt seien im Rahmen der Emission Gebote über EUR 11,5 Mrd. eingegangen, was auf eine hohe Investorennachfrage hindeute. Die Papiere seien dabei mit Aufschlägen zwischen ms +328 Bp und ms +475 Bp begeben worden, was risikofreudigen Investoren eine vergleichsweise ordentliche Rendite verspreche.

Bereits zum zweiten Mal habe das Auckland Council in diesem Jahr eine EUR-Benchmarkanleihe (ISIN XS1716946717) begeben. Nachdem Auckland bei seiner EUR-Premierenemission mit einer Laufzeit von zehn Jahren an den Markt getreten sei, habe die aktuelle Emission mit sieben Jahren eine etwas kürzere Laufzeit. Im Rahmen der Emission habe Auckland EUR 500 Mio. zu ms +18 Bp eingesammelt. Das Papier dürfte nach unserem Verständnis mit einem Risikogewicht von 20% zu bewerten sein und über ein LCR-Level von 2A verfügen, so die Analysten der Nord LB.

Neben den genannten Emissionen sei auf die Begebung einer Nachhaltigkeitsanleihe (ISIN XS1715325665 / WKN A19Q30) der BNG hinzuweisen, über die die BNG EUR 750 Mio. zu ms -25 Bp eingeworben habe. Die Anleihe habe eine Laufzeit von sieben Jahren. Darüber hinaus sei der Markt von einigen wenigen Taps im Bereich der Bundesländer geprägt gewesen, wobei in erster Linie auf eine Aufstockung des Landes Sachsen-Anhalt hinzuweisen sei. Das Bundesland habe SACHAN 0,5 06/25/27 um EUR 500 Mio. zu ms -16 Bp getappt.

Darüber hinaus würden die an der 53. Anleihe Gemeinschaft deutscher Länder beteiligten Bundesländer Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Schleswig-Holstein eine Aufstockung der erst vor wenigen Wochen begebenen Anleihe um EUR 250 Mio. planen. Außerdem stehe die französische Agence Française de Développement (AFD) kurz vor der Emission eines Klimabonds. Das Papier solle eine Laufzeit von sechs Jahren haben und im Benchmarkformat begeben werden.

Am Primärmarkt sei Sachsen-Anhalt 06/27 bei ms -16 Bp auf EUR 1 Mrd. aufgestockt worden. Trotz des fairen pricings sei die Aufstockung nur sehr verhalten am Markt aufgenommen worden. Anfang der Woche sei die zweite Auckland Anleihe in Euro im Benchmarkformat begeben worden. Es seien EUR 500 Mio. in einer siebenjährigen Laufzeit bei ms +16 Bp emittiert worden. Der Bond sei mehrfach überzeichnet gewesen, dementsprechend seien die Zuteilungen sehr stark repartiert worden. Im Sekundärmarkt sei Niesa 07/27 im Rahmen des Ankaufsprogramms in größerer size gekauft worden. Aus den Salesbereichen habe es lediglich eine verhaltene Nachfrage im längeren Laufzeitbereich der Länderanleihen gegeben. (08.11.2017/alc/a/a)





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