EZB legt bei Refinanzierungsgeschäften nach


04.05.20 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) beschloss auf der Zinssitzung am Donnerstag, den Maßnahmenmix zu ergänzen bzw. nachzujustieren, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Refinanzierungsgeschäfte würden durch längerfristige Refinanzierungsgeschäfte für den Pandemie-Notfall (PELTROs) ergänzt: Sieben dieser nicht-zielgerichteten Refinanzierungsgeschäft würden zusätzlich ab Mai 2020 angeboten (volle Zuteilung). Die Fälligkeit sei zwischen Juli und September 2021. Der Ausleihzins entspreche dem durchschnittlichen Einlagesatz minus 25 Basispunkte (BP) während der Laufzeit.

Die Konditionen für die zielgerichteten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte zwischen Juni 2020 und Juni 2021 würden nochmals günstiger gestaltet. Der Zinssatz solle dem durchschnittlichen über die Laufzeit geltenden Hauptrefinanzierungssatz minus 50 BP betragen. Für Banken, die eine definierte Mindestentwicklung des anrechenbaren Kreditvolumens übertreffen würden, entspreche der Zinssatz dem durchschnittlichen über die Laufzeit geltenden Einlagesatz minus 50 BP.

Mit Bekanntgabe der Entscheidungen hätten sich die Renditen von deutschen Staatsanleihen einige Basispunkte reduziert. EUR/USD (ISIN EU0009652759/ WKN 965275) habe keinen unmittelbaren Richtungsschwenk gezeigt.

Als ein Ausgangspunkt der Entscheidung vom 30. April sei der Aufwärtsdrift der Euribor-Sätze in den vergangenen Wochen zu sehen. Zudem solle der Anreiz für die Kreditgewährung an den privaten Sektor nochmals erhöht werden. Zwar sei mit dem aktuellen Maßnahmenmix (Asset Käufe, Refinanzierungsgeschäfte) bereits eine generöse Liquiditätsversorgung des Bankensystems sichergestellt. Die nochmalige Absenkung der Liquiditätskosten sollte aber dazu beitragen, die Euribor-Sätze stärker auf einem niedrigen Niveau zu verankern. Zuletzt dürfte die Tendenz, Einlagen eher mit kurzer Bindungsfrist anzudienen, die Geldmarktkurve nach oben gedrückt und eine Versteilung bewirkt haben. Die EZB habe sich am 30. April mit dieser versteckten Zinssenkung dem natürlichen Aufwärtsdruck der Geldmarktsätze entgegenstellt. Aus Sicht der Analysten der RBI sei dieser Schritt nachvollziehbar. Immerhin sei der Geldmarkt einer der wichtigsten Wirkungsfelder der EZB und so müsse sie in der aktuellen Situation einen Anstieg der Euribor-Sätze als kontraproduktiv erachten. (Ausgabe vom 30.04.2020) (04.05.2020/alc/a/a)