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EZB laut Sitzungsprotokoll besorgter als gedacht


09.10.20 08:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die gestrigen Daten zum deutschen Außenhandel im August bestätigen sowohl die anhaltend gute wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik als auch die robuste Situation des Binnenkonsums. Denn nicht nur stiegen die Ausfuhren mit 2,4 Prozent im Vormonatsvergleich deutlich stärker als erwartet, die Importe legten sogar um satte 5,8 Prozent zu, so die Analysten von Postbank Research.

Infolgedessen habe sich die Handelsbilanz von 19,2 Milliarden Euro im Juli auf 12,8 Milliarden Euro verringert. Die Ausfuhren hätten allerdings immer noch fast zehn Prozent unter dem Vorkrisenniveau gelegen. Der Euro habe aus den Daten allerdings keine Stärke ziehen können, im weiteren Tagesverlauf sei er gegenüber dem US-Dollar zudem durch die Veröffentlichung des Protokolls der September-Sitzung der EZB geschwächt worden. Denn das Protokoll lasse vermuten, dass die EZB tatsächlich mehr über den Inflationsverlauf und den Euro besorgt gewesen sei, als von den Marktteilnehmern nach der Pressekonferenz erwartet worden sei.

Dabei tauche das Wort "Unsicherheit" im Protokoll 23 Mal auf. Was die aktuelle Stärke des Euro betreffe, so hätten viele EZB-Mitglieder auf die Offenheit der Eurozone und die Tatsache verwiesen, dass eine Währungsaufwertung eine Gefahr nicht nur für die Inflation, sondern auch für das Wachstum darstelle. Auch die im weiteren Tagesverlauf veröffentlichten Daten zu den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA, die lediglich auf 840 Tausend Anträge zurückgegangen seien und damit die Erwartungen an einen Rückgang auf 820 Tausend Anträge enttäuscht hätten, hätten den US-Dollar nicht nachhaltig schwächen können. (09.10.2020/alc/a/a)