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EZB hat noch genug Spielraum


10.09.20 10:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Bis dato wurden von den Euro-Staaten in diesem Jahr schon Anleihen im Volumen von einer Billion Euro platziert, so die Analysten von Postbank Research.

Das seien etwa 50 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, was vor allem auf den mit der Coronavirus-Krise verbundenen zusätzlichen Finanzierungsbedarf zurückzuführen sei. Bis Jahresende seien noch Anleihen im Volumen von 260 Milliarden Euro geplant. Zu Marktverwerfungen wegen des sprunghaften Anstiegs der Emissionen sollte es nicht kommen. Die Ankaufprogramme böten der Europäischen Zentralbank (EZB) genügend Spielraum, um den Erwerb von Anleihen bis weit in das kommende Jahr hinein im bisherigen Tempo fortzusetzen. Die wöchentlichen Ankäufe im Rahmen des Notfallprogramms "Pandemic Emergency Purchase Programme" (PEPP) dürften sich zwischen September und November bei etwa 20 bis 25 Milliarden Euro einpendeln, das liege zwischen den Tiefstwerten von 15 Milliarden Euro in den Sommermonaten und den Höchstwerten von 30 Milliarden Euro auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Krise.

Würden die Ankäufe im Rahmen des "Public Sector Purchase Programme" (PSPP) hinzugerechnet, dürfte die EZB bis Jahresende noch Staatsanleihen in Höhe von insgesamt 300 bis 350 Milliarden Euro erwerben. Damit könnten die Währungshüter das gesamte Angebot an neuen Bonds absorbieren. Größere Renditesprünge bei Staatsanleihen der Euro-Staaten seien vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten. Die EZB dürfte auf ihrer heutigen Sitzung daher keinen Bedarf nach einer Ausweitung der Anleiheankäufe sehen und an ihrem aktuellen geldpolitischen Kurs festhalten. (10.09.2020/alc/a/a)